Hoelzkopf

Die Handgranatt am Gürtel, im Arme das Gewehr,
so stürmt Max Hoelzens Garde durchs Sachsenland daher.
Der Bürger knickt zusammen, er sperrt den Geldschrank auf,
Hoelz präsentiert die Rechnung mit dem Pistolenlauf.
Denn unser Sieg ist nah, Max Hoelz ist wieder da.
Er hält die rote Fahne hoch und schwingt sie: Hurra!
“ [1]
Max-Hoelz-Marsch

kommunisten_arbeiterfeinde

Er war zunächst orthodoxer Christ, dann Mitglied der USPD, KPD, KAPD und später wieder der KPD, vogtländischer Arbeiterführer und Organisator bewaffneter Haufen gegen Bourgeoisie und Republik. Er brandschatzte, raubte und erpreßte und wurde 1921 zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt. Doch erwirkten unter anderem Bert Brecht, Martin Buber, Otto Dix, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Thomas Mann und Arnold Zweig die Wiederaufnahme des Verfahrens und schließlich seine Freilassung. Sein Name: Max Hoelz oder auch „Zündl-Max“ aus Falkenstein im Vogtland.

Im Jahr 1929 „emigrierte er auf Einladung Josef Stalins in die UdSSR“ [2], war aber bald enttäuscht vom realexistierenden Kommunismus und wurde von der Geheimpolizei GPU überwacht. Im September 1933 fand man seine Leiche im Wasser der Oka, Augenzeugen berichteten von Prügelszenen zweier Personen mit einem „mit fremdem Akzent sprechenden Dritten“ in einem Boot. Das Gesicht des Toten trug Blessuren. Der Räuberhauptmann, welcher Anfang der 1920er Jahre deutschen Landjägern und Reichswehr immer wieder gewitzt entwischte, ersoff also 10 Jahre später völlig unspektakulär durch die Hände von Seinesgleichen. Wie schrieb er doch bereits vier Jahre vor seinem Tod in triefender Weisheit: „Auch die klassenlose Gesellschaft wird sich – wenn nötig – gegen Schädlinge sichern.“ [3] Gewiß, die Revolution frißt auch ihre eigenen Kinder.

Die DDR-Führung, immer auf der Suche nach geeigneten Märtyrern, um einem geschichtslosen DDR-Volk einen künstlichen Mythos umzuhängen, nahm sich nach Ernst Thälmann, Friedrich Engels und Thomas Müntzer bald auch des Anarchisten aus dem Vogtland an. Als im Wendeherbst in den sächsischen Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz (das damals noch Karl-Marx-Stadt hieß), aber auch im vogtländischen Plauen die ersten Massendemonstrationen begannen, zelebrierte die SED-Kreisleitung am 14. Oktober 1989 anläßlich des einhundertsten Geburtstages der Heldenfigur eine Denkmaleinweihung. Der Rebell Max Hoelz wurde von kommunistischen Bonzen als schwülstige Büste auf einem Steinsockel inthronisiert, während das Volk gegen diese Bonzen rebellierte. Ein Treppenwitz der Geschichte.

Lange war ihm die Ehre eines eigenen Denkmales jedoch nicht vergönnt; bereits ein halbes Jahr später landete Max Hoelz in der Rumpelkammer des Falkensteiner Geschichtsvereins. So schnell kann es gehen: Vom Christen zum Anarchisten, vom Brandschatzer zur Wasserleiche, vom kommunistischen Handlanger zum handgelangten Kommunisten, vom Terroristen zum Widerstandskämpfer, vom Bilderstürmer zur Ikone, vom Denkmal zum Ballast. Eine nicht untypische Biographie des ideologiebeladenen 20. Jahrhunderts. Und auch wenn es heute wieder Bestrebungen gibt, den Hoelzkopf auszustellen, so wäre es wohl besser, wenn er bliebe, wo er ist: in der Asservatenkammer eines Geschichtsvereins.

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[1] Zweites vorläufiges anarchistisches Liederbuch: „Max-Hoelz-Marsch“, ca. 1980
[2] Wikipedia: Max Hoelz
[3] Max Hoelz: „Vom Weißen Kreuz zur roten Fahne“, 1929

2 Antworten

  1. War interessant, „Vom weißen Kreuz zur Roten Fahne“. Aber im Grunde genommen war er nur ein Krimineller, der sich eine ideologische Tarnung gab. Wie es die brandstiftenden Verbrecher in Berlin und Hamburg ja auch tun.

  2. Da kann man widersprechen. Schon aus der Biographie – er war vor seiner Kommunistenära fanatischer Christ – ergibt sich kein unbedingter Drang zur Kriminalität, sondern eher ein Hang zur Welterlösung mit allen Mitteln. Er war vielleicht ein verspäteter Kreuzritter.

    Kriminalität ist doch auch ein dehnbarer Begriff, und während der eine sagt: „Eigentum ist Diebstahl!“, sagt der andere: „Wer mir mein Eigentum wegnimmt, begeht Diebstahl!“. Und wer von beiden gerade die Macht und damit die Definitionshoheit innehat, dessen Wort ist die „unumstößliche Wahrheit“.

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