„Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen.“ [1] Als wir unsere tägliche Portion Nachrichten von Karl Eduards Schwarzem Kanal inhallierten, blieb uns vor Schreck fast die Luft weg: „Angela Merkel will sich öffentlich, vor Zehntausenden, vor dem Brandenburger Tor, darunter oder darauf, von ihrem Hausarzt mit normalem Schweinegrippenimpfstoff impfen lassen und das ist es, was uns allen noch gefehlt hat. Eine mutige Anführerin, die dem Tod gelassen ins Auge sieht, für die Volksgesundheit.“ [2] Angesichts des quecksilberhaltigen Konservierungsmittels im normalen Schweinegrippenimpfstoff muß nun die Frage gestellt werden, ob unsere Klimkanzlerin – sie lebe hoch! – nach ihrem Ableben überhaupt ein ökologisch verträgliches Staatsbegräbnis erhalten kann oder der Leichnam als Sondermüll entsorgt werden müßte. Bei der Schweinegrippen-Googlerei nach den Begriffen „Epidemie“, „Virus“ und „virulent“ stößt der Suchende jedoch wieder auf den unsäglichen Fall Sarrazin. So schreibt die „Gastautorin Hans Werth“ im Magazin Migazin zu Sarrazin, daß „die geistige Untat“ Sarrazins als „Sarrazin-Virus“ einen „Karries in den Köpfen“ hervorrufe, obschon aufgrund medizinischer Forschungsergebnisse bisher Bakterien und nicht Viren für Zahnkaries verantwortlich gemacht wurden und Karies nicht unbedingt der Wortstamm des Begriffs „Karriere“ ist: „Unter der nationalen Bettdecke des wiedervereinten Deutschlands lauern noch immer geistige Restmutanten jener kultur-historischen Exzesse unseliger Zeit vor 1945 wie Karies in Winkeln der Gesellschaft, die mit den erwähnten Ängsten neuen Auftrieb erfahren. Das ,Volk der Dichter und Denker’ stemmt sich gegen Relativierungen des Eigenbildes. Es geht um die Mutante ,Ausländerfeindlichkeit’ in jenen Teilen unserer Gesellschaft, die sich in ihrem vermeintlichen bedroht-Sein von den Gedanken Sarrazyn’s bestätigt fühlen und nicht erkennen, dass dieses Virus wie Karries in den Köpfen wirkt. Karries wächst oft unbemerkt und zerstört seinen Nistplatz, obwohl Zähne sogar zu den härtesten Substanzen des Körpers zählen!“ [3] An dem migazynischen Migazinisten ist offensichtlich eine MedizinmännIn verloren gegangen, eine Fachkraft, die angesichts der Auswanderung deutscher Ärzte und der mordrauschenden Schweinegrippenepidemie dringend benötigt wird. Der Philosoph Peter Sloterdijk stellt hingegen in „Zeitdiagnostischen Bemerkungen“ eine „Epidemie des Opportunismus“ in „selbstgefälligen Meinungskonglomeraten“ dar und wirft der „Szene der deutschen Berufsempörer“ vor: „Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen. Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los.“ Dabei gehe es zu, „als gelte es, einen Wettbewerb in Empörungsdarstellung zu gewinnen“. [1] Der Kommentator „Prosemit“ konstatiert jedoch hierzu sinngemäß nüchtern, Sloterdijk widersprechend: „Die Meinungs-Besitzer-Szene besteht nicht aus Feiglingen. Sie sind die, welche den Käfig aufgebaut haben, das Gitter definieren und die Schwelle überwachen. Feiglinge sind jene, die sich freiwillig in diesem Käfig aufhalten und das Gefängnis als Freiheit empfinden.“ [4] Sloterdijk seziert bei den Berufsempörern eine „allgemein erwartete Sklavensprache“: „Wir haben uns – unter dem Deckmantel der Redefreiheit und der unbehinderten Meinungsäußerung – in einem System der Unterwürfigkeit, besser gesagt: der organisierten sprachlichen und gedanklichen Feigheit eingerichtet, das praktisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert.“ Auf das Aussprechen der Wahrheit solle künftig die Höchststrafe stehen: Existenzvernichtung. Hierzu meint die „Rheinische Post“ keck: „Insofern offenbart der Fall Sarrazin, dass es weite Teile der meinungsführenden deutschen Öffentlichkeit inzwischen offenbar als normal empfinden, sich von Minderheiten vorschreiben zu lassen, wie über jene Minderheiten gesprochen werden darf oder gefälligst zu schweigen ist.“ [5] Die Schweizer Weltwoche hat in den urbanen Zentren in- und außerhalb Deutschlands eine ähnliche Virulenz geortet: „Deutliche Worte bergen im nördlichen Nachbarland … stets das Risiko der öffentlichen Steinigung. Und wenn diese eine Minderheit wie die türkische ins Visier nehmen, empört sich die selbsternannte Garde der Political Correctness im Lande. Als Thilo Sarrazin auf die Einwanderungs- und Migrationspolitik in der Hauptstadt zu sprechen kommt, fasst er nicht nur ein heisses Thema, sondern auch eine Problematik an, die in anderen urbanen Zentren innerhalb und ausserhalb Deutschlands ebenfalls virulent ist.“ [6] Bei soviel epidemischer Virulenz ist es angeraten, dem Vorbild der Klimakanzlerin treu zu folgen und sich wahlweise mit nonkonformen Ansichten oder mit quecksilberhaltigen Substanzen impfen zu lassen.
Peter Sloterdijk, Philosoph


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[1] Cicero: „Aufbruch der Leistungsträger – Zeitdiagnostische Bemerkungen“, 11/2009
[2] Karl Eduards Kanal: „Die Welt ist nicht genug“, 22.10.2009
[3] Migazin: „Virus Sarrazynismus“, 19.10.2009
[4] Kommentar bei Fakt-Fiktionen: „Sloterdijk zur Causa Sarrazin: Ein Käfig voller Feiglinge“, 20.10.2009
[5] Rheinische Post: „Angst vor Ruhestörung“, 20.10.2009
[6] Weltwoche: „Was man sich leisten kann“, 21.10.2009
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die meinungsbesitzer szene , oder die sich dafür halten , haben sich doch nicht in einen käfig voller feiglinge – verwandelt.
dieses , lieber herr Sloterdijk , hätte veränderung beinhaltet .