Integration

Warum sind sie hier? Wie viele kommen noch?
Wer hat sie geholt? Wem nutzt es?
“ [1]
Bernd Schmieder

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Integration, Partizipation oder Administration? Nach dem Sarrazin-Interview sind die Diskussionen um die Integrationsfähigkeit fremder Menschen in bislang homogene Kulturgemeinschaften hochgeköchelt. Dabei geht es angesichts der Masse an Zugewanderten überhaupt nicht mehr nur um die Frage einer Integration. In der sich auflösenden traditionellen Gemeinschaft entstehen zwangsläufig miteinander konkurrierende Parallelgesellschaften, die früher oder später um die Macht buhlen werden.

Gibt es eine Verpflichtung zur Integration? Wurde der Befehl ausgegeben, daß sich das „gegen den erklärten Willen der Bevölkerungsmehrheit“ [2] angesiedelte Humankapital integrieren muß bzw. die Deutschen es zu integrieren haben? Steht die Verpflichtung im GG, im BGB oder im StGB? Das gepredigte Ethnomainstreaming hat ebenso wie die zuvor vielgepriesene multikulturelle Gesellschaft keine gesetzliche Grundlage. Die Begriffe „multikulturelle Gesellschaft“ oder „Integration“ dienen hingegen nicht nur als Beruhigungstabletten, sondern auch als Bonbon, die Einwanderung schmackhaft zu machen. Sie verschleiern eine Ideologie, die scheitern wird.

So spricht auch Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, „lieber von Partizipation als von Integration“: „Integration wird von der Mehrheit als vollständige Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft und in Teilen als Assimilation verstanden. Partizipation ist dagegen die Teilhabe an allen möglichen Lebensbereichen. Beide Seiten sind dann aufgefordert, sich zu beteiligen. Auch die deutschstämmige Bevölkerung muss sich auf die Zuwanderer einlassen.“ [3]

Daß vom Türken Kolat die Deutschen auf die fremden Zuwanderer verpflichtet werden, mag nur jenen verwundern, der die Fremden als „Gäste“ verstand, die wie die Muselmanen dereinst vor Wien nur mal freundlich „Hallo“ sagen und die Wiener Kaffeehauskultur einführen, um dann wieder kulturell beglückt und kosmopolitisch weltoffen heim ins Osmanenreich zu reiten.

Der für die SPD im Europaparlament sitzende Politiker Vural Öger stellte dementsprechend in der „Hürriyet“ fest: „Das, was Kanuni Sultan Süleyman 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen verwirklichen.“ [4] Während SPD-Mann Öger aber langfristig denkt: „Im Jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann bei ungefähr 20 Millionen liegen.“, so rechnet Kolat in kürzeren Abschnitten des demographischen Wandels: „In 20, 30 Jahren werden wir in Berlin keine einzige Schule haben, bei der der Anteil der Schüler mit Migrationsgeschichte unter 50 Prozent ist.

Daß die Parallelgesellschaften zukünftig ihre eigenen Hometowns, die früher „Getto“ hießen, benötigen, ist da konsequent. So behauptet etwa Duisburgs Dezernent für Stadtentwicklung, Jürgen Dressler, angesichts heruntergewirtschafteter deutscher Städte und einer alternden Bevölkerung: „Das Einzige, was uns auf Dauer am Leben erhält, sind Migranten.“ Da er und die seinen jedoch nicht über „den Zuzug, den wir brauchen“, verfügen, wäre der Kompromiß zur Anlockung von Türken das Zugeständnis einer Parallelgesellschaft: „Es geht nicht darum, aus jedem Türken qua Pass einen Deutschen zu machen. … Warum lassen wir keine türkischen Stadtteile mit eigener kultureller Identität, Läden und Moschee zu? Diese Schmelztiegel werden sich fortentwickeln. Nicht im Sinne einer Zwangsintegration, sondern als win-win-Situation für die ganze Stadt.“ [5]

Aber nicht nur junge Migranten sollen das Ruhrgebiet retten: „Migration, Weiblichkeit und auch Homosexuelle bringen eine Region voran, wie Metropolen zeigen.“ Fragt sich natürlich, was eher da war: die Weltstadt oder deren Homosexuelle und Migranten, und auch, was den Auf- oder Abschwung einer Metropole markiert. Um Nichtdeutschen die deutschen Städte schmackhaft zuzubereiten, will Dressler auch „Siedlungen aus den 60er und 70er Jahren“ abreißen, weil er sich Sorgen darüber macht, daß er seine „sogenannten Mercedes-Türken an andere Städte verliere. Und man sollte Migranten die Gelegenheit geben, ihre kulturellen Hintergründe auch in der Form ihrer Bauten zu artikulieren.

Was soll das bedeuten? Die Metropolen der Welt gleichen sich schon heute wie ein Ei dem anderen, selbst deren multikultureller Mikrokosmos ist ätzend langweilig: Chinatown in Los Angeles, Chinatown in San Francisco, Chinatown in London, Chinatown in New York und McDonalds in Peking. Und den mobilen Weltbürgern dürfte es egal sein, ob sie eine Gründerzeitvilla, ein Penthouse oder einen Zigeunerpalast behausen. Man nimmt, was man vorfindet, und baut – wenn man länger bleibt – willkürlich, wie es dem individuellen Geschmack genehm ist. Islamische Symbolbauten stehen schon heute zu Tausenden auf deutschem Boden, ein erhöhter Bedarf an eigenständiger Architektur erscheint fraglich. Die Auflösung der autochthonen Gemeinschaft manifestiert sich immer auch in der Auflösung architektonischer Linien.

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[1] Kommentar in Junge Freiheit: „Mehrheit der Deutschen stimmt Sarrazin zu“, 09.10.2009
[2] Die Welt: „Schäuble im Interview“, 04.09.2009
[3] Berliner Zeitung: „Man redet nicht gerne über die eigenen Defizite“, 13.10.2009
[4] Focus: „Freiheit oder Islamismus“, 02.10.2006
[5] DerWesten: „Stadtplaner hält türkische Stadtteile für sinnvoll“, 25.10.2009

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