„Die Hölle ist leer und alle Teufel sind hier!“ [1] Als die naturwissenschaftlichen Nobelpreise sowie der Literatur-Nobelpreis des Jahres 2009 „wieder an US-Bürger, Juden, Kanadier und Briten“ sowie „an Herta Müller, eine Deutsch-Rumänin vergeben“ war, orakelte ein antimuslimischer Internetblog: „Bleibt einer übrig, der Friedens-Nobelpreis! Für den braucht man nicht soviel Grips! Der müßte politkorrekt also dringend an einen Muselmann, damit das System wieder gutmenschlich, UNO- und Mekka-konform austariert ist. Wir tippen auf Achmadinedschad!“ [2] Falsch geraten! Nach fast neunmonatiger Bewährungsprobe und mit dem linken und dem rechten Bein in friedenschaffenden Kriegseinsätzen stehend erhielt ihn der von den Medien als „schwarzer Messias“ [3] stilisierte US-Präsident Barack Hussein Obama, auch wenn dessen Schwarzen-Bonus in letzter Zeit laut Umfragen mehr und mehr verblaßt. Nach dem „beinharten Imperialisten“ Theodore Roosevelt und den „in den Chile-Putsch und die Bombardierung Kambodschas“ [4] verwickelten US-Außenminister Henry Kissinger erhielt nun also ein weiter „globaler Psychotherapeut“ [3] den Preis in der Hoffnung, dieser könne seinen vielen schönen Reden auch Taten folgen lassen. „Seinen inspirierenden Worten über Frieden und Abrüstung stehen bislang kaum konkrete Resultate gegenüber. Was eigentlich eine Krönung sein sollte, könnte für Obama zu einer bleiernen Last werden.“ [5] Bei soviel vorausschauender Durchtriebenheit denkt man unwillkürlich an Alexander den Großen, Dschingis Khan oder Napoleon: Hätte man ihnen rechtzeitig den Friedensnobelpreis umgehangen, wären der Menschheit vielleicht mache Kriege erspart geblieben. Überhaupt könnte allen Menschen gleich nach der Geburt ein Friedensnobelpreis verliehen werden, man weiß schließlich nie, wozu das gut ist. Während das Qualitätsmedium „Die Zeit“ augenzwinkernd mitteilte: „Der Preis ist eine Wette auf ein Versprechen und eine ungewisse Zukunft. … Denn an eben diesem Freitag sitzt Amerikas Präsident wieder mit seinen Sicherheitsexperten zusammen, um eine Strategie für den Afghanistankrieg zu finden. So viel ist klar: Der Krieg wird andauern und auf beiden Seiten weiterhin viele Opfer fordern. ,Denn Rückzug ist keine Option’, verkünden seine Berater seit Tagen.“ [6], erschien einen Tag später in einer anderen Qualitätszeitung ein Insiderbericht aus der Präsidentensuite: „Niemand im Weißen Haus hatte den Nobelpreis auf der Rechnung gehabt, die Überraschung war total. Stundenlang war Obamas sonst auf höchsten Touren laufende Kommunikationsmaschine wie abgewürgt. Kein Kommentar. Der Sprecher des Präsidialamts beließ es in einer spontanen E-Mail an den US-Sender CBS bei einem fassungslosen ,Wow!’“ [7] Vielleicht debattierte der überraschte Beraterstab stundenlang darüber, ob es sich um eine Verarschung oder eine Provokation oder einen perfiden Terroranschlag handele, um dann gute Miene zum bösen Spiel zu machen. In der Presse wird Obama derweil als „globalisierter Staatsmann“ gefeiert. „Die ganze Welt erwartet von ihm Führungsqualitäten. … Nicht, dass Obama die hohe Auszeichnung für unangemessen halten würde. Selbstzweifel sind nicht sein Ding. Bei seinen Auftritten strahlt er Bescheidenheit aus – aber er spricht mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der die größte amerikanische Polit-Saga seit John F. Kennedy geschrieben hat. Einige sagen sogar: seit Abraham Lincoln.“ Und andere wiederum sagen: Seit dem Azteken-Reich. „Vom politischen Niemand zum ersten schwarzen US-Präsidenten und zur neuen Galionsfigur des American Dream – was Obama geschafft hat, sichert ihm schon jetzt einen Platz in den Geschichtsbüchern. So ein Überflieger kann auch einen Nobelpreis mit Gelassenheit einstecken.“ [7] Doch kein Tag ohne Nacht, kein Licht ohne Schatten. Wo das Gute leuchtet, ist das Böse nicht weit. Und so erinnert uns das Erinnerungs-Board Politplatschquatsch an jenen „Mann, der sich nicht scheut, wie Hitler Bart zu tragen und wie Goebbels Anzüge“. So habe Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrates der Juden, fünf Tage angestrengt über eine passende Wortwahl nachgedacht, um seinen Senf zu den Äußerungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin abzugeben: „Was, so fragte sich Kramer, können wir jetzt noch draufsetzen auf das, was bisher an Empörung geheuchelt, an Verdammnis gewünscht und an monströsen Vergleichen an den Haaren herbeigezogen wurde? Selbst im Zentralrat glaubten viele nicht, dass es Kramer gelingen werde, aus der inzwischen schon ein wenig kalt riechenden Skandalasche um die Sarrazinschen Kopftuchmädel noch einmal Flämmchen zu blasen.“ [8] Doch das ging: „Ich habe den Eindruck, dass Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen, mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler wirklich eine große Ehre macht.“ [9] Fehlt da nicht noch jemand in der illustren Runde? Natürlich, Robert der Teufel. Dieser hatte bereits in der gleichnamigen Oper Giacomo Meyerbeers seinen Debutauftritt, wird aber schon seit Jahrzehnten immer mehr von jenem verdrängt, der statt eines zünftigen Pferdefußes nur ein unmodisches Schnauzbärtchen vorzuweisen hat. Die Gelegenheit beim Schopfe packend verweist Karl Eduard von Schnitzlers Rumpelkammer auf die Sternstunden cineastischen Könnens der UFA-Ära: „Nun lüftet ein Mann den Mantel des Vergessens, der sich auch unablässig bemüht, das Andenken des Mimen zu bewahren, der so überzeugend den Bruno Glanz im ,Untergang’ spielte, daß selbst Traudel Junge überzeugt davon war, Glanz ist nicht tot, er lebt weiter in uns und unseren Taten, und in den Werken von Guido Knoop. Dank gebührt nun Stephan Kramer, der verspätet aber nicht zu spät auf die Rolle von Göring und Goebbels hinweist…“ [10] Die Tierfilme waren ihr Metier: Hatte Goebbels seinerzeit die Rolle des Bock von Babelsberg inne, so glänzte Göring mit Marschallstäben und Ordensplaketten als hervorragender Darsteller eines Goldfasans. Ob die Verleihung des goldenen Hitlergrußes ausreicht, Thilo Sarrazin in die wohlverdiente Rente zu schicken? Zwar wirft das Publikum mit Blumentöpfen, doch trotz 83-prozentiger Jubelrufe aus der Ecke der Bild-Zeitungsleser weist die in der BRD erscheinende türkischsprachige Zeitung „Hyrriet“ darauf hin, daß es auch kritische Stimmen gibt: „In Deutschland lebende Türken zeigten eine scharfe Reaktion darauf, daß Führungspersönlichkeiten mit dem Gedankengut von Parteien wie NPD, REP und DVU und eines Thilo Sarrazin ihre Diäten und Gehälter aus von Migranten gezahlten Steuergeldern beziehen und dabei auch noch die Migranten beleidigen. Der gemeinsame Tenor ihrer Reaktion: … ,Das ist Undankbarkeit.’“ [11] Ja, Undank ist der Türken Lohn! Hakki Keskin, Bundestagsabgeordneter der Linken, forderte demnach den sofortigen Rauswurf Sarrazins aus der SPD und der Bundesbank: „Die Bundesbank ist ja nicht irgendeine Institution. Sie muß diese Person zum Rücktritt zwingen.“ In das gleiche Horn stieß Bekir Yilmaz von der Türkischen Gemeinde Berlins: „Diese bis zum Vorstand der Bundesbank aufgestiegene Person muß aus dieser Institution ausscheiden. Wenn er sich unehrenhaft verhält und nicht ausscheidet, müssen die zuständigen Stellen die notwendigen Schritte unternehmen.“ Özcan Mutlu, Abgeordneter der Grünen, forderte mehr Dankbarkeit: „Es ist nicht hinzunehmen, daß dieser unverschämte Sarrazin weiterhin im Amt bleibt. Daß Sarrazin, der sich eigentlich bei den in Deutschland lebenden Türken hätte bedanken müssen, sie aber statt dessen beleidigt, ist ein Zeichen für die Geistesverwirrtheit und die Undankbarkeit dieses Menschen.“ Der Exekutivrat der „Türkischen Gemeinde in Deutschland“ bedankte sich zwar seinerseits bei der überwältigenden Mehrheit, die Sarrzins Äußerungen gut findet: „Die Türkische Gemeinde in Deutschland bedankt sich für die demokratische öffentliche Meinung, mit der die deutsche Öffentlichkeit Stellung genommen hat. Das ist ein Zeichen dafür, daß wir nicht alleine sind.“, forderte aber dennoch Sarrazins Rücktritt: „Er muß so bald wie möglich zurücktreten.“ Weitere türkische Stimmen zum Thema:
William Shakespeare

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[1] William Shakespeare: „Der Sturm”, 1616
[2] Fakt-Fiktion: „Jetzt sind die Nobelpreise alle vergeben – außer einem!“, 08.10.2009
[3] Tagesschau aus „Jyllands Posten“: „Internationale Presseschau zum Friedensnobelpreis“, 10.10.2009
[4] Die Welt: „Fehlgriffe“,10.10.2009
[5] Tagesschau aus „de Volkskraant“: „Internationale Presseschau zum Friedensnobelpreis“, 10.10.2009
[6] Die Zeit: „Mahnung an einen Hoffnungsträger“, 09.10.2009
[7] Rheinische Presse: „Barack Obama – der Welt-Präsident“, 10.10.2009
[8] ppq: „Göringgeschütze und Hitlerkanonen“ 09.10.2009
[9] Der Spiegel: „Sarrazin lehnt Rücktritt ab“, 09.10.2009
[10] Karl Eduards Kanal: „Ehrung für Stephan Kramer“, 11.10.2009
[11] Fakt-Fiktion: „Hürriyet: Sarrazin undankbar, weil er vom Geld der Türken lebt“, 11.10.2009, ungekürzter Hürriyet-Artikel vom 7.10.09 in deutscher Übersetzung
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Ist das Video gruselig. Ja, ich möchte sogar sagen, menschenverachtend, volksverhetzend, wenn nicht gar rassistisch.
Ja, auch unsere ganze Selbstfindungsgruppe ist empört, schockiert und betroffen, und wir fordern deshalb den rbb zum Rücktritt auf.
Zum Rücktritt aufzufordern ist das Mindeste.
also , ich würd ja den friedensnobel preise nicht an menschenkinder geben die tötungsdelikte vor laufender kamera begehen.nee,
Vielleicht gerade deswegen – als Mahnung, damit er zukünftig weniger mordet.