„Man hat den Kopf in die Wolken gesteckt, Nach Hartz-IV-Empfängern („Haben es gerne warm“), Studenten („Arschlöcher“), Finanzberatern („Glaube keinem Bankberater!“) und Beamten („bleich und übelriechend“) holte der ehemalige Finanzsenator Berlins und nun im Bundesbankvorstand tätige Thilo Sarrazin (SPD) in einem Interview gegen traditionelle 68er, eine gebärfreudige Unterschicht und integrationsunwillige Orientalen aus: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. … Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt (…) hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln. Das gilt auch für einen Teil der deutschen Unterschicht.“ Berlin sei insgesamt durch zwei Faktoren belastet: „der 68er-Tradition und dem Westberliner Schlampfaktor. Es gibt auch das Problem, dass vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden.“ [2] Der Medienhype rollte wie erwartet an, der Präsident der Bundesbank legte Sarrazin daraufhin den Rücktritt aus dem Vorstand nahe und der ehemalige SPD-Europaabgeordnete Vural Öger forderte seinen Ausschluß aus der SPD. Auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, lehnte eine inhaltliche Debatte strikt ab: „Das ist unerhört! Zu solchen unsachlichen Äußerungen möchte ich gar keine Stellung nehmen. Dazu sage ich nichts.“ [3] Das offensichtlich unausgelastete Landeskriminalamt Berlin nahm umgehend Ermittlungen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung auf und will nun feststellen, ob „die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten wurden“. [4] Allerdings hielt sich die medieninduzierte Empörungshysterie innerhalb der meinungskonsumierenden Gesellschaft diesmal in erstaunlich begrenztem Rahmen und erreichte nur die eigene Klientel. Die Kommentare in den Onlinemedien sind beredt und haben einen Tenor: „Da läuft sie wieder an, die Maulkorbindustrie des kulturrelativistischen Gutmenschentums. Es geht hier nicht mehr um den Inhalt, den man in einer fairen Debatte diskutieren könnte. Nein, es geht lediglich darum, Gegner des politisch korrekten Mainstreams mundtod zu machen.“ [5] Bei einer Online-Abstimmung unter bislang 85.000 Teilnehmern stimmen etwa 85 Prozent der Befragten der Aussage zu: „Endlich sagt das mal jemand!“ [6] Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Sarrazin’schen Äußerungen verläuft sich nur in in jenen Gewässern, in denen der Kaiser entweder Kleider an hat oder nicht, und die von der Definitionsmacht bestimmt werden. Interessant ist zunächst die Beantwortung der Frage, ob und wie man die Anzugsordnung seiner Majestät überhaupt kritisieren bzw. „verleugnen“ darf. Schließlich resümierte bereits der Schriftsteller Aldous Huxley: „Murder kills only the individual-and, after all, what is an individual? Unorthodoxy threatens more than the life of a mere individual; it strikes at Society itself. “ [7] Doch der Fall Sarrazin verläuft anders als die Fälle Williamson und Hohmann, die öffentliche Meinung weicht noch mehr als etwa im Fall Eva Herrmann von der veröffentlichten Meinung ab. Nicht nur die BILD-Zeitung versucht nun plötzlich, auf den fahrenden Zug um sich greifender Volksverstimmung aufzuspringen und den Literaten Henryk M. Broder über die Verärgerung von „Gutmenschen“ frohlocken und den Literaten Ralph Giordano gegen „Multikulti-Illusionisten, professionelle Gutmenschen, Umarmer vom Dienst, Sozialromantiker und Beschwichtigungsapostel“ [6] feuern zu lassen. Auch in „Die Welt“ darf Bettina Röhl, Journalistin und Publizistin, gegen „Linksfaschisten und Gutmenschen“ zu Felde ziehen und nebenbei noch Unbequemes ansprechen [8]: Was Sarrazin gesagt hat, muss jemand sagen dürfen, ohne, dass er persönlich vernichtet wird. Sarrazin hat ein Recht, mit dem was er gesagt hat, auf das Gegenargument. Und die Gesellschaft und die Bürger dieses Land haben ein Recht auf Diskussion. Die Reaktionen, die Sarrazin erzeugt hat, beweisen, dass das Thema Integration von einem gefährlichen Ungeist totgebügelt wird, obwohl es das wahrscheinlich virulenteste Thema der Gegenwart ist. Die selbst ernannten und selbst tätigen Gesinnungspolizisten sind unterwegs und verfolgen diesmal einen Sarrazin. Um diesem Gesinnungspolizistentum entgegenzutreten, sollten Vokabeln wie „ausländerfeindlich, frauenfeindlich, kinderfeindlich“ und dergleichen mehr entlarvt werden, als das, was sie sind, nämlich unangenehme und nebulöse moralische Anwürfe, die keinem anderen Ziel als der Meinungsmache ad personam dienen. Und die Inflation solcher Begriffe zeigt, wie gefährlich solche schnell dahin gesagten Worthülsen sind. Eine große Mehrheit der Bevölkerung, das weiß man, steht hinter den Aussagen von Sarrazin und schaut weg. Die Wegschauer-Mentalität der Deutschen ist berühmt, wenn Sarrazin einzustecken hat. Früher waren es angeblich die Spießer, die das Heer der Mitläufer stellten. Wenn dem so wäre, dann allerdings bestünde die Nation heutzutage überwiegend aus Spießern. Niemand hat Sarrazin gebeten, sich zu äußern, niemand muss lesen oder hören, was er sagt, und niemand muss sich mit seinen Thesen auseinandersetzen. Aber ein Sarrazin muss sagen dürfen, was er gesagt hat und es ist ein großer Quatsch ihn einen Volksverhetzer zu nennen, der eingekerkert werden muss oder für manche gar vogelfrei wäre. Das erinnert an die Inquisition, was hier in vergleichsweise milder Form passiert. Man kann es nicht mehr mit anhören, wie jetzt viele der Menschen, die meinen, ihre Stimme jetzt öffentlich erheben zu müssen, ununterbrochen voneinander abkupfern und dozieren: die Migranten müssen die deutsche Sprache lernen und dann lebten wir im Paradies. Und so ein Quatsch ist Mainstream. Die Deutschen ohne Migrationshintergrund, und besonders die jungen und ganz jungen Deutschen, haben ein Recht darauf, vorbereitet zu werden, dass sie als Gruppe in allerkürzester Zeit in Deutschland in der Minderheit sein werden, in großen Städten allemal. Dies ist ein Vorgang, der ohne historisches Vorbild in der Menschheitsgeschichte ist, weshalb es keine verwertbaren Erfahrungswerte gibt. Und ein Thema, das ganz Westeuropa betrifft. Der Journalist Volker Zastrow macht sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Gedanken über die fortschreitende Ausdehnung der „Zonen des Unsagbaren“ und die Konfektionierung der Meinungsfreiheit: Unserer Gesellschaft scheint inzwischen etwas vorzuschweben wie ein moderierter Diskurs, in dem jeder Inhalt sich der Etikette zu beugen hat. Wobei Etikette längst in Wahrheit nicht wirklich meint, wie etwas gesagt wird, sondern was. Das erkennt man daran, dass denen, die dagegen verstoßen, sofort mit dem Berufsverbot gedroht wird, dem Strafrecht gar, dass ihnen nicht widersprochen wird, sondern dass sie nicht mehr sprechen sollen. Es soll Redefreiheit nur im Rahmen dessen geben, was man hören möchte. Der Zusammenhang zwischen Redefreiheit, Meinungsfreiheit und Demokratie: den meisten scheint er gar nicht mehr bekannt. Aber auch der zwischen offenem Wort, offenem Denken, Einsicht oder gar Umkehr. Jahre nach der großen Kulturrevolution der sechziger Jahre ist an die Stelle der geschleiften Autoritäten ein anonymer, konturenloser Schleim getreten, die verallgemeinerte Autorität, aus dem je nach Bedarf wie Formwandler Gestalten springen und Verdikte verkünden, gegen die keine Berufung eingelegt werden kann. … Wer aus der Reihe denkt, löst umgehend Alarm aus und wird ruhiggestellt. Merkwürdig: Der Konformitäts-, Leistungs-, Anpassungsdruck in unserer aller äußeren Autorität entkleideten Gesellschaft scheint nicht schwächer, sondern stärker geworden zu sein. Das beginnt schon in der Schule, im Kindergarten, im Mutterleib, in der Petrischale, wo nur die Tauglichsten überleben dürfen. Und niemand ist verantwortlich; Instanzen, gegen die sich ein Aufstand richten könnte, gibt es nicht mehr, sie haben sich in Wohlgefallen aufgelöst. Wehe, wenn da einer stört. Der Chefredakteur der WELT, Thomas Schmid, bemüht zur Verteidigung Sarrazins sogar die vielfach mißbrauchte Floskel von der „offenkundigen Wahrheit“: „Er spricht eine offenkundige Wahrheit aus. … Wenn derlei nicht ausgesprochen werden darf, schürt es die Verbitterung derer, die aus täglicher Anschauung ganz genau wissen, dass zutrifft, was Sarrazin da gesagt hat.“ Doch wird die Freude über sich verstärkende Plädoyers für mehr Meinungsfreiheit getrübt, wenn deren Posaunisten in ähnlich gelagerten Fällen ganz andere Absolutionen erteilen. So war Thomas Schmid noch vor einem halben Jahr im Fall Williamson einer der wohl unsäglichsten Tugendwächter, welcher den Bischof anätzte, daß ihm „die Sprache entgleitet“, und der ihm sogar eine Entschuldigung strafverschärfend vorhielt: „… einer Entschuldigung hat sich Bischof Richard Williamson von der Piusbruderschaft schuldig gemacht.“ [11] Bei Sarrazin ist er seltsamerweise kulanter und beklagt radebrechend: „Obwohl er sich inzwischen entschuldigt hat, ermittelt die Staatsanwalt gegen ihn.“ Bildunterschrift: „Die Integration von Ausländern ist weiter fortgeschritten, als mancher Zeitgenosse vermutet – Familiengrillen vor Schloss Bellevue in Berlin.“ [12]
reichlich öffentliches Geld genossen
und lebte nicht auf dem Boden der Tatsachen.“ [1]
Thilo Sarrazin, Ex-Finanzsenator Berlins


……………………………………………..
[1] Lettre International: „Thilo Sarrazin im Gespräch“, Berlinheft vom 30..09.2009
[2] BILD: „Darf man als Bundes-Banker so etwas sagen?“, 06.10.2009
[3] Die Zeit: „Sarrazin muss sich entschuldigen“, 01.10.2009
[4] Tagesschau.de: „Ermittlungen gegen Bundesbank-Vorstand Sarrazin: Anfangsverdacht auf Volksverhetzung“, 02.10.2009
[5] Die Zeit: „Bundesbank-Präsident legt Sarrazin Rücktritt nahe“, Kommentar von PhilN, 03.10.2009
[6] BILD: „Darf man als Bundes-Banker so etwas sagen?“, Stand:
[7] Aldous Huxley: „Brave New World“, Ch. 10, 1932
[8] Die Welt: „Thilo Sarrazin und die Heuchel-Gesellschaft“, 05.10.2009
[9] Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Kopftuchmädchen“, 03.10.2009
[10] Die Welt: „Thilo Sarrazin spricht Wahrheiten aus“, 02.10.2009, Rechtschreibung im Original
[11] Die Welt: „Williamsons Erklärung ist kalt und unverschämt“, 27.02.2009
[12] Die Zeit: „Unter Deutschen“, 10.10.2009
Abgelegt unter : bürgerrechte, medien, soziologie, sprache | Mit Tag(s) versehen: 68er, überfremdung, berlin, bettina röhl, broder, einwanderung, giordano, integration, islam, Mainstream, Maulkorb, medienhype, meinungsfreiheit, migration, sarrazin, spießer, thomas schmid, unterschicht, Volker Zastrow, Vural Öger, williamson




[...] irgendwo im Finanzteil, rechte Spalte ganz unten. Alle anderen 1000 beschäftigen sich – wie Netzwerk Recherche hier schön zusammenfasst, wie geplant mit Sarrazins Interview in einer französischen Kulturzeitschrift, die niemand [...]
Wir dürfen nicht vergessen, wie diese Einwanderung zustandegekommen ist, nämlich an jeder demokratischen Legitimation vorbei und auf der Basis, dass die Wähler über die wahren Zustände plump belogen wurden – also wie man es ansonsten nur von totalitären Regimen kennt. Die politische und mediale Landschaft Deutschlands ist vor diesem Hintergrund völlig delegitimiert und würden sich der Debatte auch heute noch verweigern, würden die Bindungskräfte der „political correctness“ nicht langsam errodieren, und wäre nicht mit dem Internet eine Gegenöffentlichkeit erwachsen, die sich nicht beliebig zensieren lässt. Diese Zwingen nun Medien und Politik die Debatte förmlich auf, entsprechend ungehalten sind die Repliken – alleine, das wird nichs nutzen. Zu unserem aller Schaden werden wir die Frage der Einwanderung nachträglich diskutieren müssen.
»… Obwohl er sich inzwischen entschuldigt hat, ermittelt die Staatsanwalt gegen ihn…«
Tja, und da liegt der allgemeine Irrtum. Wenn wer sich Schuld aufgeladen hat (ansonsten müsste er sich ja nicht ent-schuldigen), dann kann er allenfalls um Entschuldigung BITTEN, aber sich nicht selbst entschuldigen. So hört man im Alltag oft sogar noch ein empörtes „Aber ich habe mich doch entschuldigt!“, wenn man jemanden auf sein Fehlverhalten anspricht. Bei unserer Leistungselite® ist zur Ent-schuldigung meist nicht einmal das notwendig. Da reicht für die Medien meistens schon ein: „Es tut mir leid, wenn ich in diese Richting missverstanden wurde.“ Eine hinreichend zerknirschte BITTE um Entschuldigung, die die Hoffnung auf ein zukünftig sensibleres Verhalten rechtfertigt, habe ich schon lange nicht mehr erlebt.
WAZ im Oktober 2009: über 60(!!!) % der Dortmunder Schüler haben einen Migrationshintergrund.
Rumpelstilzchen interessiert sich nur für Rumpelstilzchen
Paradebeispiel: Stadt Offenbach am Main über 70% der Menschen stammen aus dem Ausland von diesen 70% können 30% kein Deutsch
(Laut FAZ vor paar Monaten)
In irgendeiner Zeitung wurde auch mal berichtet das in Diezenbach in Kindergärten fast nur ausländisch geredet wird und deutsche Kinder dort fast nur mit diesen Sprachen weiter kommen…
Meiner Meinung nach sind solche erschreckenden Tatsachen und brennpunkte längst keine seltenheit mehr! und die lage in Offenbach ist wirklich extrem… in den Öffentlichen Verkehrswegen hört man die Menschen nur noch sehr selten Deutschreden… und man traut sich dadurch kaum noch fremde anzusprechen… und fühlt sich in zumindest in Offenbach nicht mehr im eigenen land zuhause…
[...] Juden von heute By aron2201sperber Sarrazins blöde IQ-Aussage zeugte von keinem sehr hohen [...]
Erschreckend wie starke Akzeptanz rassistisches Gedankengut erfährt. Sarrazin hält Türken und Araber für „weniger intelligent“ und Ostjuden für 15% intelligenter und alle finden das richtig. Da kann ich nur den Kopf schütteln.
Wenn man von der These aus versucht eine Lösung zu finden, die gescheiterten Integrationen anzugehen, dann kann man nur scheitern. Denn die Lösungen auf Basis dieser These ist: „Türken und Araber raus“ oder „Verbot weiterer Türken-Kinder“. Herzlich willkommen beim Wahlprogramm der NPD.
Ich mag ja das Bild, das die Zeit unter diese tolle Aussage gesetzt hat (Integration ist viel weiter…bla bla)…
Wenn ich mich richtig erinnere, war noch vor einem oder zwei Monaten in der Print-Ausgabe ein reißerischer Artikel mit exakt demselben Foto über die ungeheuren Müllberge, die die Griller hinterlassen, und die Clanbildung, die beide als Zeichen verpatzter Integration gedeutet wurden.
Soviel zum „Familiengrillen“.
Herr Sarrazin beschreibt ein realistisches Bild der tatsächlichen Zustände.
Politik verharmlost und redet schön.
Sarrazin nennt die Dinge beim Namen.
Ich begreife nicht, warum die Leute sich über seine Äußerungen aufregen?
In diesem Land ist sogar das erste Grundgesetz an Religion, Farbe, Geschlecht, … gebunden. Was regt ihr euch auf? Haben nicht manche Politiker wie Hans-Christian Ströbele Jahre lang sogar manche Gesetze verabschiedet, dass laut manche Leute im Netz, nicht einmal die NAZIS sich daran gewagt haben? Was erwartet ihr von einem Vetternwirtschafter wie Sarrazin? Herr Özdemir soll sein Maul halten.
Ich habe schon Herrn Bundespräsident Horst Koeler geschrieben. Denächst möchte ich Hans-Christian Ströbele wegen des Verbrechs gegen die Menschlichkeit anklagen. Wenn hier ein Rechtstsaats wäre:-)), wird er verurteilt werden.