EU-Topfschlagen

Bei einem etwas anderen Ergebnis müßten sie vermutlich
drei, vier oder fünfzig Mal neu abstimmen.
“ [1]
Václav Klaus, tschech. Präsident, zum 2. irischen Referendum

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Als der Rundfunkkommentator anläßlich des Ausganges des zweiten irischen Referendums zum „Vertrag von Lissabon“ sagte: „Hätten sie wieder abgelehnt, so wäre das auch schön dumm von ihnen gewesen!“, konnte, wer wollte, höhnisch auflachen. Natürlich, wenn der mittlerweile arg von der Finanzkrise gebeutelte „keltische Tiger“ Subventionen von der Europäischen Union erwarten darf, bedeutet ein „Nein“ den Verzicht auf ein erkleckliches Taschengeld.

Die Weltsicht des Radiokommentators hörte man allerdings in dem einen Satz sinngemäß heraus: „Geld gibt es für alle! Und wer dieses Geld nicht haben will, ist völlig bekloppt!“ Nun ist es leider so – und das muß man den Alimentierungsfanatikern immer wieder erklären – daß, wo Geld entnommen wird, auch wieder welches eingezahlt werden sollte. Natürlich kann die EU auch ohne Gegenwerte die Geldpresse ankurbeln, dann dürfen sich alle Menschen über die Unmengen an Scheinen mit den vielen Nullen freuen. Doch die Freude währt kurz, wenn die Butter plötzlich tausend Euro kostet und der Devisenkapitalist nicht ebenso viel Reichtum wie alle anderen hat, sondern mit seinem Salär immer drei Nullen voraus ist.

Auch trägt Inflation nicht unbedingt zu stabilen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen bei, weshalb die Alimentierung armer EU-Staaten derzeit nicht durch die Gelddruckmaschine, sondern durch die reichen EU-Staaten vollzogen wird. Diese Negativseite eines „Geldsegens für Arme“ soll nach dem Willen des neuen EU-Haushaltskommissars Algirdas Semeta zukünftig verschwiegen werden: „Er schlage vor zu ignorieren, wie stark die Beitragszahlungen die Haushalte der EU-Staaten belaste, und sich statt dessen darauf zu konzentrieren, wie die EU den Wohlstand mehre, sagte der Litauer, als er den Haushaltsbericht 2008 vorstellte.“ [2] Wohlstand für alle! Dies würde vor allem die Bundesdeutschen beruhigen: „Absolut betrachtet hat Deutschland 2008 rund 7,8 Milliarden Euro mehr an die EU überwiesen, als es von ihr erhielt. Es zahlte 18,9 Milliarden Euro ein und erhielt aus den Agrar-, Struktur- und anderen EU-Töpfen 11,2 Milliarden Euro.

Pro Kopf liegt die BRD hinter Schweden und Dänemark an dritter Stelle mit 95 Euro netto pro Einwohner im Jahr 2008, also etwa 200 Euro netto jährlich pro Steuerzahler. Hinzu kommen die in Agrar- und Strukturtöpfe zurückfließenden Zahlungen. Auch der naseweise Radiokommentator alimentiert also als angenommener bundesdeutscher Durchschnittssteuerzahler die EU jährlich mit etwa 500 Euro, wobei rund 300 dieser Euro an deutsche Landwirte zurückfließen, damit sie Felder brachlegen, Raps statt Getreide anbauen oder ihre Kühe für 20 Cent Milchpreis plus 15 Cent EU-Spende pro Liter auch weiterhin entsaften, anstatt sie notzuschlachten.

Das von ihm an die EU gezahlte Geld kann unser Rundfunksprecher durch den Kauf von billigstem Supermarkt-Schaumbrot, welches aus weltweit zusammengekarrtem sterilen Mehl in Ostasien industriell hergestellt wird, oder durch den Verzehr von mit amerikanischem Molkepulver angereicherten Tiefkühl-Analogfertignahrungsprodukten wieder einsparen. Das ist wahrer Sozialismus: Der Steuerzahler kauft billig ein, um mehr Steuern zahlen zu können, mit welchen seine Verbrauchsprodukte optimal weiterverbilligt werden können.

Solange die Abfütterungsmaschinerie funktioniert, können die malochenden Produzenten auch weiterhin abgemolken werden. Es ist nicht nur für weise Administratoren immer wieder erfreulich, Menschen – die beispielsweise monatlich 5000 Euro erwirtschaften müssen, um netto 1000 Euro zu erhalten – beim Erheischen der Supersonderangebote von Analognahrungsmitteln oder Analogbeschäftigungsgegenständen glücklich wie Schneekönige zu sehen.

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[1] Die Welt: „Václav Klaus – Ein-Mann-Bollwerk gegen Europa“, 04.10.2009
[2] FAZ: „19 Milliarden Euro für Brüssel“, 06.10.2009

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