Den Bock zum Gärtner

Denn wenn bedauerlicherweise klar wird, dass der Sozialismus keine Menschenseele rettet,
so bleibt doch der Trost, dass der Kapitalismus jedermann umbringt, was für Ideologen
vielleicht das Wesentliche ist. Wir haben das Paradies verloren:
behalten wir zumindest die Hölle.
“ [1]
Jean-Francois Revel

linksextremismus_toetet_nazis_auf_die_fresse

Wir ahnten es schon lange: Jeder zweite Nazi ist rechtsradikal, 30.000 Fünfzehnjährige sind Mitglieder in neofaschistischen Kameradschaften und vier Drittel aller Rechtsextremisten haben mindestens einmal in ihrem Leben Sperma im Döner gefunden. Doch nun enthüllt eine neue Studie: „Jeder fünfte Berufsschüler in Sachsen offenbart rechtsextreme Einstellungen. Weitere 14 Prozent tendieren in diese Richtung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung vorgestellt wurde.“ [2]

Der Autor der Studie heißt Michael Nattke, und der beklagt sich in einem anderen Aufsatz „Nazis in den Parlamenten“ über die parlamentarischen Aktivitäten der sächsischen NPD in eigenwilliger Orthographie: „Nach jeder bekannt gewordenen Demonstration oder Aktion von autonomen Antifaschist_innen gibt es postwendend parlamentarische Anfragen der NPD-Landtagsfraktion, um die Antifaschist_innen zu kriminalisieren. Ein vermeintlicher ,Linksextremismus’, als eigentliche Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung soll den Fokus von der eigenen Klientel weg lenken.“ [3] Diese Klage über den kriminalisierten „vermeintlichen ,Linksextremismus’“ ist verständlich, saß doch der „Wissenschaftler“ [3] Nattke im März 2006 zusammen mit anderen Gewalttätern der Dresdner Antifa-Szene wegen diverser Personenübergriffe auf der Anklagebank der Dresdner Staatsanwaltschaft. Dabei hatte der im brandenburgischen Guben Sozialisierte noch einige Jahre zuvor eine „führende Rolle in der Gubener Neonazi-Szene“, weil er seinerzeit derjenige Gubener gewesen sein will, der „schreiben und geradeaus denken“ konnte. [4]

Dabei hatte Nattke nach eigenen Angaben die statistische Erhebung angeblich derart manipuliert, daß möglichst wenige Berufsschüler unter Faschismusverdacht fallen, und tat über das Ergebnis überrascht: „…weil ich den Cutting Point, also ab wann ich jemanden als rechtsextrem bezeichne, im Vergleich zu anderen Studien sehr hoch angesetzt habe. Bei anderen Untersuchungen wird meist von einer rechtsextremen Gesinnung gesprochen, wenn die Befragten der Hälfte der rechtsextremen Behauptungen zustimmen. Bei mir waren es drei Viertel. Ich wollte das Potential nicht überschätzen und wissen, bei wem das rechte Denken wirklich gefestigt ist. “ [4] Natürlich wäre es interessant, sich die Fragestellungen anzusehen – vielleicht wird das „rechte Denken“ bereits durch die Formulierung induziert. Andererseits ist natürlich die Bewertung, wer „rechts“ ist, auch vom eigenen Standpunkt abhängig, und steigt, je „linker“ sich der Betrachter verortet. Zumal es für einen mit dem Antifamilieu liierten Totalitarismusforscher eine Frage von existentieller Bedeutung ist, daß das dräuend an die Wand gemalte riesige Gespenst des Faschismus mit möglichst viel Steuergeld erforscht und bekämpft wird.

Jeder Koch wird es bestätigen: Wenn man Links- und Rechtsextremismus zusammenrührt, erhält man unweigerlich die liberale Mitte. Heute erstellt Nattke Umfragen für das „Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden“. Die Idee zur Einrichtung des Instituts „wurzelt in der beinahe 60-jährigen, doppelten Diktaturerfahrung Ostdeutschlands … Die kritische Auseinandersetzung mit dem politischen Extremismus in Geschichte und Gegenwart ist … Bestandteil der Tätigkeit der Dresdner Forschungseinrichtung. … Das Forschungsfeld des Instituts wird zudem keineswegs durch das Jahr 1989 begrenzt. Täte man dies, schlösse man das Erbe und die Nachwirkungen der Diktaturen aus der Betrachtung aus. Auch neue Herausforderungen und Gefährdungen der Demokratie durch autokratische, extremistische, fundamentalistische Bestrebungen erfordern daher Aufmerksamkeit.“ [5]

Wer wäre dafür besser geeignet, als ein ehemaliger Nazi-Kameradschaftsführer, der mittlerweile mit der linksextremistischen Antifa kooperiert? Auch Adolf Hitler oder Josef Stalin würden sich als Totalitarismusforscher des Hannah-Ahrendt-Instituts anbieten, denn nichts ist wertvoller zur Pflege des Gartens der Demokratie, als die Erfahrung aus erster Hand.

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[1] Jean-Francois Revel: „La connaissance inutile“, 1988
[2] tageszeitung: „Rechtsextremismus weit verbreitet“, 10.06.2009
[3] Netz gegen Nazis: „Was bezweckt in NPD mit parlamentarischen Anfragen?“, 17.02.2009
[4] Der Spiegel: „Aussteiger als Neonazi-Forscher“, 03.09.2009
[5] Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung e.V.: „Das Institut“

Eine Antwort

  1. Der wird schon ein gscheiter Bursche sein. Erst das aufregende Leben als Neonazikader. Macht, Rebellion und Action. Jetzt ein guter Job, samt gesellschaftlicher Anerkennung bei der „Kampf gegen Rechts“ Maschinerie.
    Der Mann weiß wie das Leben funktioniert.

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