„Ist Fernsehen was für Menschen oder geht es da um Geld?
Wenn man es rausdrehen kann, so wie eine Glühbirne,
ist das Problem doch keins mehr, oder?“ [1]
Michael, Kommentator der tageszeitung

Harte Worte hört man über das Glamourflittchen Heidi Klum, welches seine Brüste Hans und Franz für das globalisierte Medienmainstreaming-Publikum vermarktet und damit zur geistlosen Befriedung der Masse bereitstellt. So erlaubte sich SF-Literaturklub-Moderator Roger Willemsen in der Sonntagsausgabe der tageszeitung die Frage, ob die Fernsehsendung „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) frauenfeindlich sei. Eine Frage, die in Zeiten von Geschlechtslosigkeit und Gendermainstreaming, in denen Männlichkeit ebenso wie Weiblichkeit entwürdigt werden, ob nun durch die Pornoindustrie oder die Geschlechtergleichschaltung, eigentlich indiskutabel sein sollte. Doch immerhin vernimmt man aufreizende Worte, zwar sehr personifiziert, aber auch auf den Typus der Epoche übertragbar: „Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Massstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über ,Persönlichkeit’ redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist.“ [1]
Eine eigentlich fundamentale Kritik zwischen Persönlichkeit und Individualismus, Mensch und Masse. Während der aufgeregte Fernsehkonsument sich jedoch kaum über den „Exzess der Nichtigkeit“ erregt, der von Willemsen kritisiert wird, hört er die markigen Worte umso deutlicher: „Da möchte man dann … sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre.“ Wieso frauenfeindlich? Es gibt auch genügend Männer, die über ein umfangreiches Sortiment verfügen!
Zu Klums Fürsprechern zählen ausgerechnet der „Sexpapst“ Oswald Kolle und die „Pornokönigin“ Dolly Buster. Papst und König: Die Idole der Pornokraten. Passend daher auch der Kommentar von „anke“ unter der taz-Meldung: „Heidi Klum ist wohl eher das, was prügelnde Väter und lügende Politiker sind: Täter und Opfer in einem. So etwas wie ein Bewusstsein besitzt sie womöglich gar nicht. … Gemeinsam mit Dolly Buster und Oswald Kolle dominiert man die öffentliche Wahrnehmung. Die anderen Skandale bleiben einstweilen unbetratscht.“
Das wollen wir nicht auf uns sitzen lassen und uns abseits vom tratschenden Mainstream geschminkter Dirnen, voyeristischer Geilheit und exzessiver Belanglosigkeit der kaum beachteten zentralen Veranstaltung der christlichen Partei für „Arbeit, Umwelt und Familie“ – kurz: AUF-Partei – zur Europawahl widmen. Dort referierte die „50-jährige ehemalige Fernsehmoderatorin Eva Herman zur Notwendigkeit einer ,christlichen Kulturrevolution’“ [2] und kündigte an, daß „sie sich nicht darum kümmere, ,was politisch korrekt, sondern was korrekt ist’ … So monierte Herman zu Beginn ihres Vortrages, dass der Gottesbezug im vorgesehenen Lissabon-Vertrag keinen Platz fand und dass dem Schöpfer-Gott ein ,irdischer Gott’ entgegengesetzt wurde, der für Materialismus, Macht und ,menschliche Eitelkeit’ stünde. Nicht erst seit der Finanzkrise sehe sie Europa in der Krise, nämlich in der Krise der Dekadenz. Wir befänden uns ,mitten im Untergang des Abendlandes’.“ Eine Erkenntnis, die nicht neu ist. Anzumerken wäre bestenfalls, daß wir uns nicht inmitten des Untergangsprozesses, sondern in seiner Endphase befinden. Die Symptome des Verfalls der abendländischen Kultur sind bereits seit über 100 Jahren deutlich zu erkennen und begründet auf epochalen Fehlentwicklungen, die noch viel weiter zurückliegen. Die Entwicklung kann auch kein von Herman geforderter Verfassungsgott mehr bereinigen, der nur ein Papiertiger wäre.
Es ist daher reichlich spät, zu resümieren: „Alte Zivilisationen wie Rom, Griechenland oder Ägypten hätten gezeigt, wo es hinführt, wenn in einer noch so gebildeten Gesellschaft lediglich Lustprinzip und Materialismus zählten. Als konkrete Missstände führte sie die staatlich alimentierte Ideologie des ,Gender Mainstreaming’ an, welche darauf abziele, die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau abzuschaffen. Des Weiteren nannte Hermann typische Kritikpunkte wie europaweit stagnierende Geburtenzahlen, steigende Scheidungsraten, Alkoholexzesse und entmenschlichte Sexualisierung von Jugendlichen oder mangelndes Verantwortungsbewusstsein zur Entscheidung für Familie und Kinder.“
Diese Symptome der Zivilisation sind lediglich vorübergehende, denn ein morsches Gebälk wird zwangsläufig früher oder später von jungen, dynamischen Machtgruppen umgestoßen, welche nicht viel von Gendermainstreaming, Homosexualität, Pazifismus, Demokratie und Humanismus halten. Doch mit welchem konservierenden Konservativismus, der lediglich zahnlos über Symptome jammert und einen vergangenen Status zu erhalten oder zu erneuern trachtet, wollen jene Gesellschaftskritiker die „Lawine Zivilisation“ aufhalten, welche zum Untergang einer jeden alten, degenerierten Kultur und zum Aufstieg einer neuen Kulturmacht führt? Statt einer belanglosen Kritik der Belanglosigkeit könnte man wirksame Strategien überdenken, wenn das nicht im letzten, im ideologischen Jahrhundert bereits zuhauf geschehen wäre.
Die Heidi Klums verkörpern die Idole der Masse und deren Traum des Aufstiegs in einer anonymen Mediengesellschaft, welche jeden Einzelnen der gesichtslosen Glotzer an den Fernsehshows partizipiert und damit uniform sozialisiert. Die Klums sind die Götzenbilder einer bindungslosen, toten Masse, die bleibende Werte zu schaffen nicht mehr in der Lage ist.
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[1] Tageszeitung: „Heidi Nazionale“, 14.05.2009
[2] Blaue Narzisse: „Eva Herman fürchtet Untergang des Abendlandes: Von der Europakundgebung der AUF-Partei in Frankfurt“, 18.05.2009
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