„LEX MIHI ARS heißt: Die Kunst sei mir Gesetz – in Bayrisch klingt´s wie das Götz-Zitat,
das einem entfährt, wenn die Medienwogen über dem mit Medienlügen
alleingelassenen Kleindenker zusammen schwappen.“ [1]
Lisa Fitz, Kabarettistin

Da nach Ansicht des Regisseurs Phil Caron „Medien lügen, verfälschen, inszenieren, manipulieren“, versuchte er mit Hilfe des Kurzfilmes „Hate Machine“, „die Methoden der Fernsehmacher zu veranschaulichen: gezieltes Weglassen und bewusstes Zuspitzen und Zusammenfügen von Aussagen. … ,Das hab ich so nicht gemeint’, ist oft die Reaktion, wenn Bürger sich das erste Mal selbst im Fernsehen sehen. In schnell geschnittenen Bildcollagen gehen die eigentlich gesagten Dinge schnell unter. Kein Wunder, Journalisten kürzen Zitate und spitzen Sätze auf eine kurze Aussage hin zu. ,Verdichten’ heißt das im Fachjargon. Dabei werden Sätze jedoch auch verfälscht, weil dramatische Aussagen besser klingen als harmlose, versöhnliche Inhalte.“ [2]
Phil Caron hatte sich diesem Phänomen mit dem Mittel der Satire angenommen. „Mit Hilfe einer Handvoll Kinder und einer Kamera zeigt er, wie solche Verfälschungen zustande kommen. Harmlose Sätze aus unschuldigen Kindermündern werden mit dem richtigen Schnitt zu Vorurteilen und Hass. ,(Hate) Machine’ veranschaulicht das System der Meinungsmache und Inszenierung.“ Der Film erhielt auf dem sozialkritischen „Media That Matters Film Festival“ den Preis für Medienkompetenz.
Auch im Nürnberger Bildungszentrum wurde am 8. Mai 2009 zum zehnten Mal der „Alternative Medienpreis“ 2009 verliehen. Hierbei „honorierte die Jury Beiträge, die sich durch ihre medienübergreifende Darstellung, ihre innovative Form oder ihren gesellschaftskritischen Ansatz hervorheben.“ [3] Mit von der Partie war die einen Preis nach dem anderen einsammelnde Qualitätsjournalistin Andrea Röpke und ihr Adlatus „Otto Belina“, die „sich über einen Preis für ihren Fernsehbeitrag ,Ferien im Führerbunker’ freuen“ durften.
Die Initiatoren des Preises definieren sich über Drittes Reich und Neue Rechte: „Inhaltlich liegt der Schwerpunkt der Beiträge zum einen auf der Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der Geschichte des Dritten Reiches und der Neuen Rechten.“ [4] Mitunterstützerin ist die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, welche anläßlich eines anderen Medienpreises für Andrea Röpke schmalzte, diese halte „dort die Fackel der Demokratie und Menschenwürde hoch wo sich sonst keiner hin traut. Ein Leuchtturm im braunen Sumpf.“ [5]
Ausschnitte dieses Films finden sich auch in einer Fernsehsendung „Panorama“ des gebührenfinanzierten Norddeutschen Rundfunk, welche Andrea Röpke zusammen mit Dietmar Schiffermüller erstellte. Gegen Schiffermüller wurde bereits ein Jahr zuvor „wegen einseitiger Berichterstattung, Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht und Zurückhaltung von Beweismaterial“ [6] rechtlich vorgegangen. Die belobigte „Dokumentation“ ist ein gutes Beispiel für das, was Phil Caron kritisierte:
Die sehr verwaschenen Aufnahmen zeigen bei Minute 1:47 einen Jungen zu seinen Freunden ins Bild laufen, er hebt seine linke Hand, das Bild bleibt stehen, eine Sprecherin sagt: „...der Nachwuchs zeigt den Hitlergruß.“ Warum aber muß der Film in diesem Moment aufhören, gerade dann, wenn man sich die Frage stellt, warum der Hitlergruß – für stramme Nazis recht ungewöhnlich – mit dem linken Arm gezeigt wird?

Wir üben den Hitlergruß: George W. Bush, Angela Merkel, Günther Beckstein, Sarah Palins Tochter, Papst Benedikt, Barack Obama - mit dem rechten Arm
Der Rechtswissenschaftler Prof. Günter Frankenberg erläutert bei Minute 2:23: „Die HDJ ist deshalb meines Erachtens besonders gefährlich, weil sie zugreift auf die Seele von Kindern und Jugendlichen, diese die Kinder schult, in Lagern, ausbildet paramilitärisch, sie zu aggressiven Kämpfern erzieht“. Dabei wird das Bild eines geschminkten Jungen bei einer Sanitätsausbildung gezeigt. Ein Kommentator bei Youtube behauptete sogar: „Hätte man nicht das komplette Bild des Jungen verschwommen dargestellt, würde man sein Lächeln erkennen.“
Bei Minute 5:57 sind Fotos von Jugendlichen in Militariakleidung zu sehen, die mit Macheten hantieren. Andrea Röpke bzw. ihr Ghostwriter schrieben an anderer Stelle: „Fotos vom Lager, die von der Staatsanwaltschaft Osnabrück veröffentlicht wurden, zeigen makabre Inszenierungen und Posen im Söldner-Stil, Scheinhinrichtungen und Männer in Tarnkleidung, die am Tisch sitzend schießen. Auf einem Foto drückt eine Person einer anderen eine Machete an den Hals. Einem anderen wird ein Waffenlauf in den Mund gehalten.“ [7] Zwei der 26 Teilnehmer sollen auch HDJ-Führungskader gewesen sein. Die Sprecherin im Film behauptet jedoch: „Der Verein wird immer selbstbewußter und rüstet auf. Bilder eines paramilitärischen Lagers, mitveranstaltet von der HDJ.“ Was der Verein als Organisation jedoch damit zu tun hatte, bleibt offen, so wie beispielsweise offen bleibt, was die die SPD als Organisation mit Kinderpornos zu tun hat, wenn einer ihrer Abgeordneten mit solchen erwischt wird.
Unter dem Spruch: „Und selbst über bestehende Regeln können sie sich oft ungestraft hinwegsetzen“, werfen bei Minute 6:13 in wieder verwaschener Aufnahme mehrere Punker oder Skinheads in Hosenträgern und Springerstiefeln eine Brandflasche in Richtung Kamera. Eine Aufnahme, die überall und nirgends gemacht worden oder sogar Filmarchiven entnommen sein könnte.
In der Laudatio zur Preisverleihung für diesen Film heißt es dann auch vieldeutig: „Die Filmemacher nutzen … eine Technik, die dem Zuschauer aus anderen journalistischen Formaten bekannt ist: Es wird ,technisch minderwertiges’ Material eingesetzt, was beim Zuschauer – so lässt sich vermuten – Akzeptanz findet, ihn sogar eine besondere Authentizität vermuten lässt, da hier offensichtlich investigativ gearbeitet wurde. … Fürs Fernsehen grundsätzlich unzureichendes Bildmaterial (detailarm, unscharf und unbewegt) so einzusetzen, dass die Geschichte trotzdem erzählt wird, verlangt ein gutes journalistisches Handwerk: Insbesondere in puncto Text und Bildschnitt, dass bei ,Ferien im Führerbunker’ zweifelsfrei Anwendung gefunden hat.“ [8] Ja, zweifelsfrei, Phil Caron selbst wies auf dieses Handwerk der Manipulation hin.
Natürlich hätten auch die nicht manipulierten Filmsequenzen ein eindeutiges Bild der mittlerweile verbotenen Organisation gezeichnet. Doch würden diese beim Fernsehkonsumenten einen milderen Eindruck hinterlassen, weil nach Phil Caron „dramatische Aussagen besser klingen als harmlose, versöhnliche Inhalte.“ Hitlergrüße, Kinderblut, Scheinhinrichtungen, Springerstiefel und Brandsätze sorgen zielgerichteter für gewünschte Assoziationsketten als infantile Zeltbeschilderungen, Pfadfinderparaden oder „systemfeindliche“ Vortragsredner. Der Film diente also lediglich zur Stimmungsmache und war für die Verbotsverfügung gegen die HDJ völlig unbrauchbar.
Fraglich ist, wieso der Verein erst nach der Medienberichterstattung in die Verfassungsschutzberichte der Innenminister aufgenommen wurde. Die Verfassungsfeindlichkeit der 400 Mann starken Organisation war bis dahin dem Inlandsgeheimdienst offensichtlich unbekannt, obwohl vom Bundesinnenministerium seit 1990 zwar zehn rechtsextreme Vereine, aber keine einzige linksextreme deutsche Gruppierung verboten wurden [9], der vom Innenministerium empfundene Gefährlichkeitsfokus also eindeutig bei rechtsextremen Organisationen liegt.
Wenn allerdings das Bundesinnenministerium nach Hausdurchsuchungen bei HDJ-Mitgliedern genügend Beweismaterial gefunden hat, welches den Kampf der Organisation gegen die vom Bundesverfassungsgericht definierte freiheitlich-demokratische Grundordnung belegt, so ist das Organisationsverbot ebenso zu akzeptieren, wie eine zukünftige Gerichtsentscheidung, die dieses Verbot aufhebt oder bestätigt.
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[1] Lisa Fitz: „Projekte – Programm Lex Mihi Ars“
[2] netzwelt: „Kurzfilm: Die Manipulation durch die Medien“, 17.12.2007
[3] Indymedia: „Gegen rechts: Alternativer Medienpreis“, 10.05.2009
[4] Internetauftritt des Alternativen Medienpreises: „Ziele des Alternativen Medienpreises“
[5] Susanne Erbes: „Der Leuchtturm im braunen Sumpf. Von der Preisverleihung für außergewöhnliche Recherchen“, Friedrich-Ebert-Stiftung, 28.11.2007
[6] Wallstreet-Online: „Kanzlei prüft Ansprüche gegen Neosino wegen angeblich falscher Produktangaben“, 10.03.2006
[7] Bundeszentraler für politische Bildung: „Braune Parallelwelt“, 17.06.2008
[8] Malte Burdekat: „Laudatio Video Alternativer Medienpreis 2009 – ,Ferien im Führerbunker’“, 06.05.2009
[9] Bündnis Arbeit, Familie, Vaterland: „Wo bleiben Verbote linksextremer Vereine?“, 17.04.2009
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