DNA-Jagd nach der Verpackerin

Erst hieß es, es gebe keine DNA-Spuren, jetzt heißt es, es seien zu viele.“ [1]
Alois Mannichl, Polizeichef

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Man wird sich noch erinnern können, daß in der Mannichl-Affäre auf der Tatwaffe – einem am Wohnhaus des Opfers herumliegenden Lebkuchenmesser – von der bayerischen DNA-Polizei lediglich „DNA-Spuren Alois Mannichls gefunden“ worden wären. „Wenig später habe es allerdings geheißen, die Auswertung der Spuren dauere so lange, weil auf dem Messer ,so viele verschiedene DNA-Spuren übereinander gelagert seien’.“ [2] Mannichl selbst jammerte später: „Den Vorwurf der DNA-Spuren kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Anfang Januar hat die Staatsanwaltschaft geäußert, es fänden sich nur meine Spuren auf dem Messer. Damals hatte ich überhaupt noch keine DNA-Vergleichsprobe abgegeben. Das habe ich erst Ende Januar gemacht.“ [1]

Dieses Kuriosum wurde auch in Kommentarspalten verwundert zur Kenntnis genommen: „Als Mannichl mit dem 6 cm tief zwischen den Rippen steckenden Messer auf die Straße rannte und minutenlang mit dem Täter in seinem Vorgarten kämpfte, wer weiß, wer da so alles das Messer angefaßt hatte: Eishockeyspieler, Grufties, Schlangennazis, rechtsextremistische Kraken, die Kameradschaft München, der Vöcklaburger Taxifahrer, die Unternehmerstochter, Friedhelm Busse und der NPD-Vorstand … Phantombilder gibt es ja genug. Und wenn die Putzfrau im Labor mit dem Messer … nicht auszudenken!“ [3] Nun aber zeigten auch nichtbayerische DNA-Ermittler im Falle des seit Jahrzehnten gesuchten Heilbronner Phantoms, in der Medienberichterstattung oft auch Frau ohne Gesicht und von der Polizei Unbekannte weibliche Person (UwP) genannt, offenbar ihre volle Kompetenz.

Diese Frau wurde seit 1993 mit zahlreichen Straftaten in Verbindung gebracht, einem rätselhaften Todesfall und 6 Morden, unter anderem der Tötung einer Polizistin in Heilbronn. Ihre DNA wurde bis März 2009 insgesamt 40-mal an Gegenständen von Tatorten in Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen sowie in Österreich und Frankreich gefunden, nicht aber in Bayern. Die Spuren fanden sich auf Keksresten, Kaffeetassen und Küchenschubladen von Ermordeten, Heroinspritzen, Fahrzeugen, aber auch auf einem Projektil nach einem Duell zwischen zwei Brüdern oder an einer Wohnungstür nach einem Streit zwischen zwei Männern. In völlig zusammenhanglosen Fällen. In äußerst unterschiedlichen Milieus. Seltsam, oder?

Das Heilbronner Phantom hatte bereits Konturen: „Eine in Österreich am Institut für Gerichtliche Medizin Innsbruck vorgenommene Untersuchung der mitochondrialen DNA ergab, dass die DNA Charakteristika aufweist, die gehäuft in Osteuropa und im Gebiet der angrenzenden Russischen Föderation auftreten.“ Auch der Aktionsradius konnte eingegrenzt werden: „Das Phantom habe offensichtlich ,gute Bezüge ins Saarland’, sagte heute die Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Heilbronn, Michaela Molnar. Mehrere Male schon hat die ,Frau ohne Gesicht’ dort Spuren hinterlassen. ,Aber schlauer sind wir dadurch auch nicht’, denn in Baden- Württemberg und Österreich habe die Täterin mindestens genauso oft Spuren hinterlassen.“ [5] Nur nicht in Bayern.

Nach 16.000 Überstunden und millionenteurer Fahndung wurde im Januar 2009 die Belohnung für Hinweise auf den Verbleib der Frau auf 300.000 Euro erhöht. Und nun ist das Heilbronner Phantom offensichtlich geschnappt worden. Es soll sich bei ihm um die Packerin eines Unternehmens für Medizinalbedarf handeln, welches polizeiliche Ermittler in Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Österreich und Frankreich mit Wattestäbchen beliefert. Jedoch nicht die Polizei in Bayern. [6][7]

Kritische Stimmen meinen nun, daß es nichts nütze, Dilettanten mit HighTech auszurüsten, oder daß die Polizei nur als Wegelagerer tauge, um Autofahrer auszuplündern. Doch ist der gerichtsmedizinische Hinweis, daß das Heilbronner Phantom aus Osteuropa stammt, insoweit wichtig, als daß die an der Wattestäbchenproduktion beteiligten afrikanischen Baumwollpflücker gegenüber osteuropäischen Billig-Verpackerinnen als Täter ausgeschlossen werden können. Die Mitarbeiterin des Medizinalbedarfunternehmens darf sich angesichts der erdrückenden Beweislage nun auf eine lebenslängliche Freiheitsstrafe freuen.

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Es handelt sich ,um eine Hamburger Firma, die Dienststellen in Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen sowie in Österreich und Frankreich beliefert.' :7:

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[1] Die Süddeutsche: „Das Lebkuchenmesser“, 13.03.2009
[2] Der Spiegel: „Ich hätte nie für möglich gehalten, was über uns hereingebrochen ist“, 04.03.2009
[3] Readers Edition: „Mannichl: Täter fast gefasst“, 07.02.2009
[4] Wikipedia: „Heilbronner Phantom“, Stand: 25.03.2009
[5] stimme.de: „Heilbronner Polizistenmord“, 25.04.2007
[6] Stern: „Rätsel um ,Phantom’ gelöst?“, 25.03.2009
[7] BILD: „,Phantom-Killerin’“ gibt es gar nicht!“, 26.03.2009

3 Antworten

  1. Wattestäbchen verbieten. Man liest ja, wohin das führt, die zu verpacken.

  2. Möglicherweise wohnt die Täterin trotzdem in Bayern:
    „Hersteller ist eine Firma in Baden-Württemberg, abgepackt und versandt wurden die Wattestäbchen in Bayern.“
    http://www.sr-online.de/nachrichten/29/894816.html

    Auch genial: Das von LKA’s schon früher verbreitete Phantombild der Serientäterin:
    http://www.welt.de/multimedia/archive/00550/Heilbronn_Phantombi_550725g.jpg

    Fragen über Fragen. Hat ein Wattestäbchen die Polizistin umgebracht? Ob die Polizei auch gebrauchte Filme in ihren Radarfallen verwendet?

    Die ersten Witze kursieren bereits:
    „Ein Bekannter stand in einem Vaterschaftsprozeß vor dem Gericht. Es wurde ein Gentest angeordnet.
    Ergebnis: Die Mitarbeiterin einer Wattestäbchenherstellerfirma ist der Vater des Kindes.“

  3. Interessant war:

    „Eine in Österreich am Institut für Gerichtliche Medizin Innsbruck vorgenommene Untersuchung der mitochondrialen DNA ergab, dass die DNA Charakteristika aufweist, die gehäuft in Osteuropa und im Gebiet der angrenzenden Russischen Föderation auftreten.“

    Und nun:
    T-online: „DNA-Spuren stammen von polnischer Rentnerin“, 07.04.2009
    http://nachrichten.t-online.de/c/18/49/21/22/18492122.html

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