„Der Verleumder ist schlimmer als der Mörder.“ Phantomnazi in Fürstenzell Die letzte resignierende Nachricht zum Fall Mannichl in einem bundesdeutschen Qualitätsmedium lautete vor zwei Wochen: „Mehr als 500 Spuren führen ins Nichts“ [1]. Dabei läßt sich die Spur der Täter sehr gut verfolgen: In Halle ritzten sie 1994 einem behinderten Mädchen ein Hakenkreuz in die Wange [2], in einer Berliner S-Bahn schlitzten sie kurz darauf jeweils einem Mädchen ein solches in den Bauch und einem Jungen in den Arm [3]. Im Jahr 2002 war die Bande wieder mit den Worten „Das geschieht dir recht, Scheiß-Neger!” an der Wange einer Kubanerin im brandenburgischen Guben zugange [4]. Während eines Urlaubsaufenthaltes in Paris verletzten sie im Jahr 2004 eine junge Frau und ihr Baby mit Messern und malten ihr mit einem Filzschreiber drei schwarze Hakenkreuze auf den Bauch [5], auf dem Rückweg ritzten sie 2006 einem Besoffenen im bayerischen Wissing ein Hakenkreuz ebenfalls auf den Bauch [6]. Nachdem sie sich mit NSDAP-Bomberjacken ausstaffierten, schnappten sie sich im Jahr 2007 in Sachsen ein zivilcouragiertes Mädchen aus der Gauklerszene [7] Mittweidas und ritzten ihr ein Hakenkreuz in die Hüfte [8]. Dann flohen sie nach Passau, wo sie im Dezember 2008 mit einem Lebkuchenmesser den couragierten Polizeichef Mannichl aufschlitzten [9] und weiter ins schweizerische Zürich, um dort im Februar 2009 mit Hilfe eines Teppichmessers einer Brasilianerin die Initialen der Schweizerischen Volkspartei auf den Körper zu ritzen [10].
Die von Opfern und Zeugen beschriebenen Merkmale der gesuchten Täter: Phantomnazi in Zürich Der mit dem Hakenkreuz im Nacken wurde jetzt offensichtlich in Wien gesichtet, wie die Zeitung „Kurier” berichtet [11]:
Leserin M., 23, fuhr kürzlich in der Früh mit dem 5er, als vor ihr ein Herr mit sehr kurzen Haaren Platz nahm. Im Nacken hatte der Herr, Frau M. nahm es sehr unangenehm berührt zur Kenntnis, ein Hakenkreuz tätowiert. Dass es sich dabei nicht um eine dumme, aber halt unrevidierbare Jugendtorheit handelte, wurde Frau M. klar, als eine offenbar türkische Frau, die ein Baby im Arm trug, in die Straßenbahn einstieg: Als die Frau den Gang entlangging, stellte ihr der Mann ein Bein. Ein geistesgegenwärtiger Fahrgast fing die Frau auf, bevor sie der Länge nach auf ihr Kind fallen konnte. Andere Fahrgäste grummelten empört. Frau M. brüllte dem Kerl spontan ein erbostes „Tschuldigung?!?“ an den Hinterkopf, nicht ohne sich in der Sekunde zu fragen, was das für Folgen nach sich ziehen könnte und ob die anderen Fahrgäste darauf auch mit Gegrummel reagieren würden. Aber bevor irgendetwas anderes geschehen konnte, geschah Folgendes: Die Straßenbahn blieb ohne Vorwarnung stehen, der Bim-Fahrer, offenbar von anderen Fahrgästen alarmiert, kam nach hinten marschiert. Der Fahrer habe, erzählt Frau M., einen netten Vokuhila getragen und auch sonst irgendwie nicht wie der klassische Gutmensch (oder wie der halt gern karikiert wird) ausgesehen, aber was tat er? Er packte den Kerl mit dem Hakenkreuz und schmiss ihn ansatzlos und ohne Diskussion aus dem Wagen. Dann fuhr er weiter. Zwar fragt die Leserin Ulrike G. „wieso kann man hier überhaupt mit einer Hakenkreuz-Tätowierung herumfahren?Fällt das etwa nicht unter Wiederbetätigung?“, aber offensichtlich hat sich der flüchtige Hakenkreuztätowierte aus der Ritzerbande noch keinen Tarn-Vokuhila wachsen lassen. Er müßte also noch zu schnappen sein. Das wäre die Gelegenheit für die 50-köpfige Sonderkommission Fürstenzell, die den Mannichl-Attentätern noch immer auf „500 Spuren ins Nichts“ folgt, nach all den Pannen endlich eines Täters aus der üblen Bande habhaft zu werden.
Albanisches Sprichwort
- vier von ihnen tragen NSDAP-Bomberjacken und haben HASS auf den Fingern,
- sie haben Rasierklingen und Teppichmesser, benutzen aber auch Lebkuchenmesser,
- einer hat eine grüne Schlange auf der Wange,
- einer hat ein umgedrehtes Kreuz mit Pfeil auf der Wange,
- einer hat ein Hakenkreuz im Nacken.
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[1] Rheinischer Merkur: „Mehr als 500 Spuren führen ins Nichts“, 19.02.2009
[2] Der Spiegel: „Schrei nach Liebe”, 1/1995
[3] Der Spiegel: „Die dubiose Geschichte vom eingeritzten Hakenkreuz”, 18.12.2007
[4] Berliner Zeitung: „Mädchen erfand Vorfall mit Hakenkreuz”, 04.01.2006
[5] Thomas Immanuel Steinberg: „Drei Hakenkreuze”, 14.07.2004
[6] Neumarkt-Online: „Überfall war erfunden”, 02.11.2006
[7] J.- G.- Fichte- Schule Mittweida: „Jury mäkelt am Hähnchen-Gratin“, 09.02.2006
[8] tageszeitung: „Geehrte unter Anklage”, 16.05.2008
[9] Die Zeit: „Die Rätsel um den Fall Mannichl”, 28.1.2009
[10] Die Weltwoche: „Protokolle einer Irreführung“, 18.02.2009
[11] Kurier: „Es gibt aber auch solche“, 02.03.2009
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