„Wir sind gemeinsam im Kampf gegen diese braune Pest.“ [1]
Ehrhart Körting (SPD), Berlins Innensenator

"Keine Zwischenfälle"
Aus Dresden berichtete am vergangenen Wochenende Veit Medick für die Zeitschrift „Spiegel“ unter der Überschrift: „Wie Neonazis Dresden zu ihrer Pilgerstätte machen“. [2] Leckere Sprachhäppchen bietet der schwülstige Sermon, wirft aber auch Fragen auf.
„Ein lebendes Schandmal: 6000 Neonazis kamen am Wochenende nach Dresden und missbrauchten das Gedenken an die Bombardierung vor 64 Jahren.“ Zum Glück gibt es allerdings nicht nur die schändenden, mißbrauchenden Neonazis, welche die Stadt heimsuchen, sondern auch „die Dresdner“, bei denen Veit Medick mit pathetischer Inbrunst konstatiert: „Was sind sie stolz auf ihre Frauenkirche … recken die Köpfe nach oben, umarmen sich.“ Laut Medick seien sie sich sogar bewußt, daß es „die verbrecherischen Kriege der Nazis“ waren, „die die Alliierten zu den Bombardements verleiteten.“ Ein Argument, das zunächst schockieren mag, daß vorhergegangene Provokationen einen Völkermord legitimieren sollten. Aber für eine gute Sache dürfen schonmal einige zehntausend Köpfe rollen. Mitgegangen, mitgehangen!
Nach einigen Absätzen Beschaulichkeit um „Kirchenglocken“, „Versöhnung“, „Kerzen“, „schöner Stimmung“, „festlich und ruhig“ taucht plötzlich das „andere Dresden“ auf, um sich besichtigen zu lassen: „Das andere, gruselige Dresden lässt sich wenige Stunden später, am Samstagmittag, ebenfalls mitten in der Innenstadt besichtigen. Rund 6000 Neonazis aus ganz Europa ziehen durch die Straßen.“ Bei diesem „Highlight für Rechtsradikale“ wollen sich diese „gegenseitig ihrer kruden Mythen vergewissern. Zum Beispiel, dass mit Dresden eine ,unschuldige’ Kulturstadt dem Erdboden gleichgemacht worden sei. Oder dass ,Hunderttausende’ Zivilisten das Leben hätten lassen müssen.“ Doch „mit all diesen Legenden“ sei „eigentlich längst aufgeräumt“ worden. Danke, ihr Saubermänner!

"Kurze Rangelei"
Die „marschierenden“, „ausblendenden“ „Rechten“ haben sich allerdings gut getarnt, so daß Medick argwöhnt: „Es gibt keine Parolen, kein Gebrüll. Sie treten moderat auf, Typ Biedermänner.“ Echt fies! Doch „zwei Dutzend Antideutsche“, „zwei Mittzwanziger“ und „ein tapferes Pärchen“ haben sich an die Neonazis herangemogelt und provozieren. Entsprechend der Medickschen Vergeltungslogik müßten die Neonazis nun zu „Bombardements verleitetet“ werden, aber „das ist alles so harmlos, dass selbst die Schläger unter den Rechten nur müde lächeln.“ Wie aber hat Veit Medick die müde lächelnden Neonazis als Schläger enttarnt? Hatten sie auf ihrer NSDAP-Bomberjacke auch noch Anstecker mit Aufschriften wie „Ich bin ein Schläger“ oder „Schlägernazi“ angebracht?
Doch zum Glück gibt es nicht nur Neonazis, sondern auch Menschen. Und es gibt wie zu Weihnachten frohe Botschaften: „Es gibt natürlich auch frohe Botschaften an diesem Wochenende. Die Gegendemonstrationen zum Beispiel. Mehrere tausend Menschen protestieren gegen Neonazis.“ Zu diesen wird auch SPD-Chef Franz Müntefering gezählt, der die Masse damit anheizt, daß „die braune Soße in Deutschland nie wieder eine Chance haben“ dürfe. Also: Rübe ab oder „Bomber Harries, do it again!“
Die 500 „massiv gewalttätigen“ Kommunisten, 30 verletzten Polizisten und 18 beschädigten Polizeiwagen [3] sind es nicht mal wert, als „Zwischenfälle“ zu gelten. „Zwischenfälle konnten … vermieden werden. Nur am Schlossplatz gibt es mal kurz Rangeleien zwischen Polizei und Autonomen. Ansonsten bleibt die Lage ruhig.“

Vermummte Gewalttäter posieren vor den Augen der Polizei vor umgeworfenem Polizeiauto. "Ansonsten bleibt die Lage ruhig."
Und während sich die Medienlandschaft empört wegen eines Überfalls von Neonazis auf Menschen an der Autobahnraststätte Teufelstal, berichtet die Sächsische Zeitung im Regionalteil über eine Gruppe „Punks“, die zu fünft erst eine Zugbegleiterin schlugen und dann den sie schützenden Triebfahrzeugführer mit einer Fahnenstange angriffen. Einer Fahnenstange, welche bereits bei der Demonstration der Menschen gegen die Neonazis gute Dienste geleistet hatte. In verniedlichender Originalrechtschreibung der Zeitung wird der Punk kurzerhand zum Punkt: „Ein Punkt stieß ihm eine Fahnenstange mehrfach in die Magengegend und in die Rippen.“ [4] Oder war es am Ende gar nur ein Pünktchen?
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[1] n-tv.de: „Scientology-Verbot geplant“, 07.12.2007.
[2] Der Spiegel: „Wie Neonazis Dresden zu ihrer Pilgerstätte machen“, 14.02.2009
[3] Polizeidirektion Dresden: „Polizeieinsatz anlässlich des 64. Jahrestages der Zerstörung Dresdens“, 14.02.2009
[4] Sächsische Zeitung: „Punks greifen Zugpersonal an“, 16.02.2008
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ich meinerseits fand in zeitungsberichten die aus schnitzlers „schwarzer kanal“ geborgten begriffe „braune brut“ und „gesindel“. wenigstens weiß man dann gleich, wessen ungeistes kind der jeweilige autor ist. die jungs wären auch beim „stürmer“ super zurechtgekommen
Dass es Leute gibt, die bei solchen Anlässen praktisch das Grundrecht auf Demonstrations- oder Meinugsfreiheit abschafften, würde sie die Polizei nicht daran hindern, das kommt den Spiegelschreibern nicht in den Sinn.
Danke für den Hinweis, sogleich archiviert:
„Das braune Gesindel versucht seit Jahren, Dresden zum eigenen Wallfahrtsort zu machen. … ,Diese Bande hat in Dresden nichts zu suchen’, rief Oberbürgermeisterin Orosz bereits am Freitag vor der Frauenkirche. Aber die Bande wird wiederkommen, so wie an jedem Gedenktag, so wie seit zehn Jahren schon.“
Bernhard Honnigfort, Journalist
Mitteldeutsche Zeitung: „Stadt verteidigt ihr Gedenken“, 15.02.2009
„DGB-Chef Michael Sommer forderte eine ,breite Front gegen die braune Brut’.“
jjc/ddp/dpa/AP/AFP
Der Spiegel: „Tausende marschieren gegen braune Brut“, 14.02.2009
Über dem Artikel prangt ein Banner: „Der braune Sumpf“
Ja, die hätten früher beim „Stürmer“ eine tolle Karriere machen können. Das können sie heute bei „Frankfurter Rundschau“ und „Spiegel“ aber auch. Solche schwimmen immer oben.
tatsache. so ist das leider. ich frage mich nur manchmal, ob die wirklich denken, dass das gut für das gute ist? wo sie doch wissen, dass schnitzler damit nur hohngelächter geenrtet hat?