Frevler

Eine Lüge ist umso effizienter, je perfekter sie die Erwartungen der Belogenen bedient.“ [1]
Sabine Rückert, Die Zeit


Als die Dresdner Synagoge pünktlich vor dem Reichskristallnacht-Jahrestag mit Parolen wie „Fuck the Juden, Monkey!“, „Schei8 Juden“ oder „Killers of Children“ und Symbolen wie „verkehrt drehendes Hakenkreuz“ = „Davidstern“ beschmiert wurde, waren die Meinungs- und Empörungshysteriker wieder außer sich. Das Jüdische Gemeindezentrum wurde mit Blumen überschüttet, Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Landespolizeichef Bernd Merbitz führten Kondolenzbesuche beim Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde durch und Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) sprach von einer entsetzlichen Tat: „Die Tat unmittelbar vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht zeigt, wie wichtig der gemeinsame Widerstand gegen rechtes Gedankengut ist“. [2] Auch die Fraktionssprecherin Christiane Filius-Jehne der Grünen im Dresdner Stadtrat war schwer betroffen: „Die offensichtlich von Neofaschisten begangene Tat ist unerträglich“.

Deutschsprachige Islamisten verorteten eine „fremdenfeindliche Tat“, die vor der Urteilsverkündung im Mordfall Marwa (rußlanddeutscher Migrant erstach ägyptische Migrantin) „besonders erschreckend“ sei. Dresden habe aus Sicht der Islamisten „ein Problem mit dem Rassismus“, da Sachsen als Hochburg der NPD gelte, welche dort Jugendzeitschriften verteile und „auch der Mörder von Marwa El-Sherbini [...] in dem vergangen Prozess durch NPD-Parolen“ aufgefallen sei. [3] Der katholische Dresdner Bischof Joachim Reinelt sprach hingegen von einem Sündenfall: „Diese Tat ist ein unglaublicher Frevel.“ Es sei unfaßbar, wie feige, schändlich und verabscheuungswürdig zum 71. Jahrestag der nationalsozialistischen Pogromnacht die Gefühle aller Dresdner und besonders der jüdischen Mitbürger verletzt worden seien. [4]

Ob Bischof Reinelt entsprechend der in der deutschen Rechtsgeschichte des Mittelalters getroffenen Unterscheidung des „Frevels“ diese Tat als „Schandtat gegen etwas Geheiligtes“ oder als „Ungericht“, die schwerste Art von Vergehen überhaupt, wertete, ließ er offen. Der Frevel als Sünde konnte im christlichen Mittelalter durch Strafen wie Züchtigung und Haarabschneiden gesühnt werden, Ungericht hingegen wurde durch Verstümmelung oder Hinrichtung geahndet.

Mittlerweile wurde der neofaschistische Frevler von einer „Sonderkommission Rechtsextremismus“ (Soko REX) ermittelt. Es handelt sich um einen 39-jährigen algerischen Staatsbürger, der in Dresden wohnt und mit hoher Wahrscheinlichkeit muslimischen Glaubens ist. „Auf Grund von Videoauswertungen und Zeugenaussagen konnten die Ermittler den Weg des Mannes nach der Tat rekonstruieren. Gegen ihn wird wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.“ [5]

Ob die Tat nun in der Statistik rechtsextremistischer Straftaten oder jener migrantistischer Straftaten eingereiht wird, bleibt abzuwarten, auch, ob der Täter der katholischen Kirche überantwortet wird, auf daß sie den Frevler vor den Augen des HErrn die Haare abschneide und ihn verstümmele. Vielleicht wird der algerische Phantomnazi aber auch von Seinesgleichen gezüchtigt, weil er sich hat erwischen lassen. Denn wenn die Nazi-Provokateure schon aus Algerien importiert werden müssen, um die die Statistik rechter Straftaten den Anforderungen des Jahresplanes der steuergeldfinanzierten Anti-Rechts-Initiativen in die Höhe zu treiben, dann sollten sie sich gefälligst nicht so dumm anstellen.

Natürlich bliebe auch die Möglichkeit, die Flucht nach vorn anzutreten und dem Hakenkreuzschmierer von Dresden so wie der Hakenkreuzritzerin von Mittweida einen Zivilcouragepreis um den Hals zu hängen. Weil er die Öffentlichkeit so wunderschön plakativ auf den erschreckenden Dresdner Antisemitismus aufmerksam gemacht hat.

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Der Plast

Vorsicht auf der A5 Kassel – Frankfurt: Zwischen Hattenbacher Dreieck und Alsfeld-Ost liegen Plastikteile auf der Fahrbahn.
Verkehrsfunk


Früher schied die innerdeutsche Zonengrenze Kunststoffe, die aus makromolekularen organischen Verbindungen bestehen, in Plastik und Plaste. In der Sowjetzone nannte man die aus Polymeren gefertigten Gegenstände genauer noch Plaste und Elaste (Einzahl: Plast und Elast), gern untergliederte man zudem auch in Thermoplaste und Duroplaste. In den anglo-amerikanischen Besatzungszonen prägte sich die falsche Übersetzung des englischen Wortes „plastic“ für Kunststoffe ein.

Und so bilden sich bei dem kunst- und kulturfreudigen Ostzonler auch heute noch immer bedächtige Falten, wenn der westdeutsche Verkehrsfunk meldet, daß sich „Plastikteile auf der Fahrbahn“ befänden. O arme Plastik, die ihr Museum nicht mehr unbeschadet erreicht!

Natürlich könnte der Verkehrsfunk auch mitteilen, in wie viele Teile die Plastik zersprungen ist, ob es eine wertvolle Plastik war und ob sie wieder repariert werden kann. Aber die Meldung des Verkehrsfunks ist auch auch so immens wichtig: Damit die Plastik durch uninformierte Raser nicht noch weiter beschädigt wird.

2012 oder 2018?

Beim Stöbern in diversen Blöcken stößt man heuer auf erschreckende Zukunftsszenarien. So fragt die Schülerzeitung Blaue Narzisse, ob wir den 21.12.2012 überhaupt überleben werden, da an diesem Tage der Maya-Kalender endet. Dabei scheint die Antwort einfach: Möglicherweise benötigten die Mayas keinen längeren Kalender, da sie den genannten Termin aufgrund ihres Ablebens als Volk sowieso nicht wahrzunehmen gedachten. Die Spürnasen von Politplatschquatsch gewähren uns hingegen einen Einblick zu jenen, die hinter dem Mond leben und im Jahr 2018 auf die Erde heimkommen wollen, und die wir mit einer „Lichterkette für Zivilcourage“ empfangen sollten, so wir denn den 21.12.2012 überhaupt überleben.

Verkaufscheiße

Wir sprechen verschiedene Sprachen.
Meinen aber etwas völlig anderes.
“ [1]
Politplatschquatsch


verkaufshit

Manche Begriffe sind derart ordinär, daß man sie in renommierten Tageszeitungen nur in Englisch aussprechen möchte. [2] So ist etwa die Nutzung des Begriffes Verkauf-Shit sinnvoll bei der Beschreibung von Waren, die sich verdammt sch… verkaufen lassen, ohne dabei Dinge in den Mund nehmen zu müssen, die andere noch nicht einmal mit den Händen anfassen würden.

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Entscheidungsjahre

Aber was kann in den letzten Zeiten der sozialistischen Weltanarchie noch zerstört und eingeebnet werden! So viel, daß in manchen weißen Völkern kein Stoff mehr vorhanden sein wird, mit dem ein Cäsar seine Schöpfung aufbauen könnte.“ [1]
Oswald Spengler, Philosoph


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Für tiefgründigere Beobachter von Menschheitsentwicklungen war auch im Jahr 1919 nicht neu, was Oswald Spengler in seinem kulturphilosophischen Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ [2] zusammenfaßte, einem vielseitigen und ausschweifenden Werk, in welchem selbst Theodor Adorno Grundlagen für seine Thesen über Massenkultur und Parteienorganisation gefunden haben soll. Schon daß dieses Buch überhaupt geschrieben, abgelehnt oder angenommen, zumindest heiß diskutiert wurde, offenbarte den Wandel einer aus vormals tatenfrohem Selbstverständnis heraus handelnden Kulturgemeinschaft zu einer intellektualisierten Masse. Die Situation war zwar analysiert, aber bis heute kein zukunftsfähiger Ausweg gefunden.

Neunzig Jahre nach Spenglers Vorschau der Abendröte frohlockte die leitende RedakteurIn der überaus renommierten Süddeutschen Zeitung, Susanne Schneider, dem Niveau ihrer Klientel entsprechend: „Über Jahrhunderte hinweg hat der weiße Mann die Welt mit viel paffpaff und bummbumm an den Rand des Ruins regiert. Es wird Zeit, dass andere die Macht übernehmen.“ Die VerfasserIn wollte während des Amtseides des neuen US-Präsidenten Barack Obama sogar „unhörbar und dennoch unmißverständlich“ einen Subtext vernommen haben, „der sagte: ,Hiermit beende ich die Herrschaft des weißen Mannes’. Genau so wird es kommen. Das Prinzip ,Weißer Mann’, das zeigt die jüngste Geschichte, hat auf fast allen Gebieten abgewirtschaftet.“ [3] Nicht nur solche Jubelorgien sind es wohl, welche dem konservativen Verleger Götz Kubitschek den Stoßseufzer entlocken: „Dass der Mensch sich einmal selbst bei lebendigem Leibe kompostieren würde: Das schockiert mich immer wieder.“ [4]

Während Fräulein Susanne Schneider die Beweise für den Untergang des Abendlandes auf ihrer Ebene findet: „Der weiße Mann muss nicht nach China und Indien schauen, um zu sehen, dass dort die Zukunft liegt. Wem ein letzter Beweis fehlt, der sollte seinen Blick im Moment nach Australien richten: Im ,Dschungelcamp’ sind nämlich bisher nur Männer rausgewählt worden.“, gibt es sicherlich auch Stimmen, welche in geschmacklichen Entartungen wie den massenmedialen, voyeuristischen Inszenierungen wie den „Dschungelcamps“ selbst Niedergangserscheinungen festzustellen vermeinen.

Aktuell haben zwei Professoren den Abgesang Europas von der weltpolitischen Bühne recht nüchtern konstatiert. So sieht der Publizist und Auslandskorrespondent Prof. Dr. Peter Scholl-Latour die Machtfrage eng verbunden mit der materiellen Verfügungsgewalt über Menschen und Kontinente: „Vor genau fünfhundert Jahren hat die portugiesische und damit die europäische Expansion begonnen. … Heute ist Portugal ein kleiner Staat am Rande Europas, damals aber signalisierte sein koloniales Ausgreifen den Anbruch der Weltherrschaft des weißen Mannes. Diese geht nun zu Ende. Heute gibt es so gut wie keine europäischen Besitzungen mehr in Übersee.“ Auch USA und Nato würden das Machtvakuum nicht füllen, „denn tatsächlich ist die westliche Militärmacht längst durch weltweite Einsätze überfordert.

Der „lange Frieden“ vor dem schlußendlichen Untergang der abendländischen Zivilisation habe seinen Preis, denn: „Den Europäern, Amerikanern und Russen droht ja bis auf weiteres keine kriegerische Eroberung, sondern eine demographische Unterwanderung.“ Auf die Frage, ob die Welt nach dem „Ende des weißen Mannes“ besser oder schlechter sein wird, zeichnet Scholl-Latour ein pessimistisches Bild: „Vermutlich war die bislang vorherrschende amerikanische Hegemonie relativ leicht zu ertragen, angesichts der Machtansprüche, die in Zukunft auf die Europäer zukommen.“ [5]

Die materielle Verfügungsgewalt ist eine Kehrseite, die psychische Verfügungsgewalt gerät ebenfalls ins Wanken. Die ideologischen Grundsätze der westlichen Massenkultur, wie etwa „universelle Menschenrechte“ oder das „Recht jedes Individuums auf Selbstbestimmung“, werden in dynamischen Strukturen verneint. Auf längere Sicht haben solche Gemeinschaften einen Überlebensvorteil, was eine Feststellung philosophischer Natur ist, da die langfristige und spirituelle Sicht auf alle Aspekte des Lebens für den im Hier und Jetzt verhafteten Homo metropolis sowieso belanglos ist und bestenfalls Unterhaltungswert besitzt.

Der Philosoph und Historiker Prof. Dr. Timo Vihavainen stellt für Europa ein Schwinden dessen fest, was Scholl-Latour für die orientalische Konkurrenz eine „extrem dynamische islamische Revolution“ nennt: „Es ist ein Mißverständnis zu glauben, daß die Masseneinwanderung an sich zur Vernichtung des Westens führen würde. Sie ist vielmehr eine Folge unserer Selbstaufgabe. … Damit allerdings sind wir natürlich Herausforderungen von außen wie etwa die Einwanderung so preisgegeben wie eine sturmreife Festung. Der Kern des Problems ist, daß wir Europäer unsere Tugenden verloren haben, indem wir unsere Kultur durch eine Zivilisation des Konsums ersetzt haben.“ [6]

Wie aber definiert Vihavainen den Kulturbegriff? „Kultur ist das Bestreben einer Gesellschaft nach dem ,Wahren, Schönen und Guten’… Dieses über uns selbst hinausweisende Streben wurde in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine narzißtische und nihilistische Haltung ersetzt, die alles nur nach dem eigenen Nutzen und Genuß beurteilt. Folge dessen ist auch der Verlust des Interesses am Fortbestand unseres Gemeinwesens. … Der Westen hat sich sein eigenes Grab geschaufelt, in das er nun ganz langsam hineinsinkt.“ Die Einwanderung sei „Folge des Verlusts unseres Realitätssinns, unseres Desinteresse am Politischen und der Vorstellung, es ginge nur darum, daß jeder einzelne sich selbst verwirklicht. … Am Ende schließt sich der Kreis: Die Einwanderer beginnen uns ihre Werte zu diktieren statt andersherum.

Das Wertediktat wird tatsächlich von Dekade zu Dekade wahrnehmbarer: Als Gastarbeiter sollten die gegen den Willen der Einheimischen Zwangsimportierten während Aufenthaltsdauer die Nationalwirtschaft stärken, als politisch Verfolgte sowieso bald wieder in ihre Heimat zurückkehren, als Kulturbeglücker die Urbevölkerung mit Multikulti segnen, sich bald darauf als ausländische Mitbürger in die Mehrheitsgesellschaft integrieren, um dann als xxx-Deutsche mit Migrationshintergrund besondere Rücksicht verlangen zu dürfen… Paradigmenwechsel am laufenden Bande, schleichend und innerhalb der Informations- und Reizüberflutungen kaum wahrnehmbar. Tatsächlich fordern einige Administratoren der neuen Parallelgesellschaften längst Partizipation statt Integration und träumen von der geistig-biologischen Machtübernahme.

Vihavainens Kulturbegriff ist hingegen diffus, denn der barbarische Krieger wird „Schönheit und Wahrheit“ anders empfinden, als sie der intellektualisierte Homo metropolis definiert und schematisiert. Der eigene Nutzen und Genuß war schon immer Triebfeder menschlichen Verhaltens, ob in menschlicher Kultur oder menschlicher Zivilisation. Es ist aber so, daß die Stärke einer Gruppe nicht nur in ihrer Kopfmenge (Quantität) liegt, sondern in der Form ihres Zusammenhaltes, welcher wiederum von Elementen umfaßt wird, die unter dem Begriff „Kultur“ (Qualität) zu subsumieren wären. Eine zur Macht strebende Gruppe muß sich zwangsläufig gemeinschaftsbildende Elemente verschaffen und die individuelle Freiheit an der Garderobe des Kollektivs abgeben, um schlagkräftig zu werden.

Der machthabenden Gruppe, die ihren Aufstieg einst ebenso einer gemeinschaftsbildenden Kultur verdankte, entgleiten diese Elemente, wenn in ihr über satte Generationen Vermassung und Individualisierung bis zur Auflösung gleichermaßen um sich greifen. Wenn die kulturelle Bindung von den freien Individuen als unnütze Last und beschränkende Fessel empfunden wird, löst sich die Kultur in einer gesichtslosen Zivilisation auf, in welcher die Masse aus vielen Ich’s besteht. Wo der Mensch zum Verbraucher wird, ist für Kultur kein Platz.

Kultur ist also nicht etwas, das ausschließlich in der Vergangenheit zu suchen wäre, etwa in folkloristischer Form von Sepplhosen oder Barockkirchen. Das mag Sichtweise eines alten Volkes sein. Kultur als überliefertes Ordnungsgefüge kann sicherlich in ihren Ritualen schön sein, wie Prof. Vihavainen schwärmt, sie tritt aber als gemeinschaftsbildendes Element einer kulturfähigen Gruppe immer als Konkurrenz zu einer anderen Gruppe auf. Sie kann somit auch töten und barbarisch sein.

Wie wird die Rückkehr der entflochtenen Individuen zu einer Gemeinschaft vonstatten gehen, wenn auch in den abendländischen Gemeinschaften Notsituationen kollektives Handeln erfordern? Durch eine cäsaristische Diktatur? Durch eine neue, okkupierende Kultur? Sicher ist nur, daß nichts so bleibt, wie es ist.

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Надо Жить

Hoelzkopf

Die Handgranatt am Gürtel, im Arme das Gewehr,
so stürmt Max Hoelzens Garde durchs Sachsenland daher.
Der Bürger knickt zusammen, er sperrt den Geldschrank auf,
Hoelz präsentiert die Rechnung mit dem Pistolenlauf.
Denn unser Sieg ist nah, Max Hoelz ist wieder da.
Er hält die rote Fahne hoch und schwingt sie: Hurra!
“ [1]
Max-Hoelz-Marsch


kommunisten_arbeiterfeinde

Er war zunächst orthodoxer Christ, dann Mitglied der USPD, KPD, KAPD und später wieder der KPD, vogtländischer Arbeiterführer und Organisator bewaffneter Haufen gegen Bourgeoisie und Republik. Er brandschatzte, raubte und erpreßte und wurde 1921 zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt. Doch erwirkten unter anderem Bert Brecht, Martin Buber, Otto Dix, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Thomas Mann und Arnold Zweig die Wiederaufnahme des Verfahrens und schließlich seine Freilassung. Sein Name: Max Hoelz oder auch „Zündl-Max“ aus Falkenstein im Vogtland.

Im Jahr 1929 „emigrierte er auf Einladung Josef Stalins in die UdSSR“ [2], war aber bald enttäuscht vom realexistierenden Kommunismus und wurde von der Geheimpolizei GPU überwacht. Im September 1933 fand man seine Leiche im Wasser der Oka, Augenzeugen berichteten von Prügelszenen zweier Personen mit einem „mit fremdem Akzent sprechenden Dritten“ in einem Boot. Das Gesicht des Toten trug Blessuren. Der Räuberhauptmann, welcher Anfang der 1920er Jahre deutschen Landjägern und Reichswehr immer wieder gewitzt entwischte, ersoff also 10 Jahre später völlig unspektakulär durch die Hände von Seinesgleichen. Wie schrieb er doch bereits vier Jahre vor seinem Tod in triefender Weisheit: „Auch die klassenlose Gesellschaft wird sich – wenn nötig – gegen Schädlinge sichern.“ [3] Gewiß, die Revolution frißt auch ihre eigenen Kinder.

Die DDR-Führung, immer auf der Suche nach geeigneten Märtyrern, um einem geschichtslosen DDR-Volk einen künstlichen Mythos umzuhängen, nahm sich nach Ernst Thälmann, Friedrich Engels und Thomas Müntzer bald auch des Anarchisten aus dem Vogtland an. Als im Wendeherbst in den sächsischen Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz (das damals noch Karl-Marx-Stadt hieß), aber auch im vogtländischen Plauen die ersten Massendemonstrationen begannen, zelebrierte die SED-Kreisleitung am 14. Oktober 1989 anläßlich des einhundertsten Geburtstages der Heldenfigur eine Denkmaleinweihung. Der Rebell Max Hoelz wurde von kommunistischen Bonzen als schwülstige Büste auf einem Steinsockel inthronisiert, während das Volk gegen diese Bonzen rebellierte. Ein Treppenwitz der Geschichte.

Lange war ihm die Ehre eines eigenen Denkmales jedoch nicht vergönnt; bereits ein halbes Jahr später landete Max Hoelz in der Rumpelkammer des Falkensteiner Geschichtsvereins. So schnell kann es gehen: Vom Christen zum Anarchisten, vom Brandschatzer zur Wasserleiche, vom kommunistischen Handlanger zum handgelangten Kommunisten, vom Terroristen zum Widerstandskämpfer, vom Bilderstürmer zur Ikone, vom Denkmal zum Ballast. Eine nicht untypische Biographie des ideologiebeladenen 20. Jahrhunderts. Und auch wenn es heute wieder Bestrebungen gibt, den Hoelzkopf auszustellen, so wäre es wohl besser, wenn er bliebe, wo er ist: in der Asservatenkammer eines Geschichtsvereins.

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Nagetiere

Wir sprechen verschiedene Sprachen.
Meinen aber etwas völlig anderes.
“ [1]
Politplatschquatsch


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Teenager! Überall Teenager! Man muß nur im Zeitungswald blättern und erhält täglich neue Nachrichten über die Teenager: Teenager sind faul, sie werden immer fetter, sie reißen aus oder überfallen alte Menschen. Eine gefährliche Spezies offenbar. Niemand aber wußte bisher, wie Teenager eigentlich aussehen.

Nun aber hat ein Aufklärungsmagazin endlich das Bild eines Teenagers veröffentlicht. [2] Es zeigt ein Tier, das eine sehr starke Ähnlichkeit mit einem Wildschwein hat und offenbar gerade vergnügt an ausgestreuten Teeblättern nagt.

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Narrenkäfig

Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen.“ [1]
Peter Sloterdijk, Philosoph


narrenkaefig_sloterdijk

Als wir unsere tägliche Portion Nachrichten von Karl Eduards Schwarzem Kanal inhallierten, blieb uns vor Schreck fast die Luft weg: „Angela Merkel will sich öffentlich, vor Zehntausenden, vor dem Brandenburger Tor, darunter oder darauf, von ihrem Hausarzt mit normalem Schweinegrippenimpfstoff impfen lassen und das ist es, was uns allen noch gefehlt hat. Eine mutige Anführerin, die dem Tod gelassen ins Auge sieht, für die Volksgesundheit.“ [2] Angesichts des quecksilberhaltigen Konservierungsmittels im normalen Schweinegrippenimpfstoff muß nun die Frage gestellt werden, ob unsere Klimkanzlerin – sie lebe hoch! – nach ihrem Ableben überhaupt ein ökologisch verträgliches Staatsbegräbnis erhalten kann oder der Leichnam als Sondermüll entsorgt werden müßte.

Bei der Schweinegrippen-Googlerei nach den Begriffen „Epidemie“, „Virus“ und „virulent“ stößt der Suchende jedoch wieder auf den unsäglichen Fall Sarrazin. So schreibt die „Gastautorin Hans Werth“ im Magazin Migazin zu Sarrazin, daß „die geistige Untat“ Sarrazins als „Sarrazin-Virus“ einen „Karries in den Köpfen“ hervorrufe, obschon aufgrund medizinischer Forschungsergebnisse bisher Bakterien und nicht Viren für Zahnkaries verantwortlich gemacht wurden und Karies nicht unbedingt der Wortstamm des Begriffs „Karriere“ ist: „Unter der nationalen Bettdecke des wiedervereinten Deutschlands lauern noch immer geistige Restmutanten jener kultur-historischen Exzesse unseliger Zeit vor 1945 wie Karies in Winkeln der Gesellschaft, die mit den erwähnten Ängsten neuen Auftrieb erfahren. Das ,Volk der Dichter und Denker’ stemmt sich gegen Relativierungen des Eigenbildes. Es geht um die Mutante ,Ausländerfeindlichkeit’ in jenen Teilen unserer Gesellschaft, die sich in ihrem vermeintlichen bedroht-Sein von den Gedanken Sarrazyn’s bestätigt fühlen und nicht erkennen, dass dieses Virus wie Karries in den Köpfen wirkt. Karries wächst oft unbemerkt und zerstört seinen Nistplatz, obwohl Zähne sogar zu den härtesten Substanzen des Körpers zählen!“ [3] An dem migazynischen Migazinisten ist offensichtlich eine MedizinmännIn verloren gegangen, eine Fachkraft, die angesichts der Auswanderung deutscher Ärzte und der mordrauschenden Schweinegrippenepidemie dringend benötigt wird.

Der Philosoph Peter Sloterdijk stellt hingegen in „Zeitdiagnostischen Bemerkungen“ eine „Epidemie des Opportunismus“ in „selbstgefälligen Meinungskonglomeraten“ dar und wirft der „Szene der deutschen Berufsempörer“ vor: „Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen. Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los.“ Dabei gehe es zu, „als gelte es, einen Wettbewerb in Empörungsdarstellung zu gewinnen“. [1] Der Kommentator „Prosemit“ konstatiert jedoch hierzu sinngemäß nüchtern, Sloterdijk widersprechend: „Die Meinungs-Besitzer-Szene besteht nicht aus Feiglingen. Sie sind die, welche den Käfig aufgebaut haben, das Gitter definieren und die Schwelle überwachen. Feiglinge sind jene, die sich freiwillig in diesem Käfig aufhalten und das Gefängnis als Freiheit empfinden.“ [4]

Sloterdijk seziert bei den Berufsempörern eine „allgemein erwartete Sklavensprache“: „Wir haben uns – unter dem Deckmantel der Redefreiheit und der unbehinderten Meinungsäußerung – in einem System der Unterwürfigkeit, besser gesagt: der organisierten sprachlichen und gedanklichen Feigheit eingerichtet, das praktisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert.“ Auf das Aussprechen der Wahrheit solle künftig die Höchststrafe stehen: Existenzvernichtung. Hierzu meint die „Rheinische Post“ keck: „Insofern offenbart der Fall Sarrazin, dass es weite Teile der meinungsführenden deutschen Öffentlichkeit inzwischen offenbar als normal empfinden, sich von Minderheiten vorschreiben zu lassen, wie über jene Minderheiten gesprochen werden darf oder gefälligst zu schweigen ist.“ [5]

Die Schweizer Weltwoche hat in den urbanen Zentren in- und außerhalb Deutschlands eine ähnliche Virulenz geortet: „Deutliche Worte bergen im nördlichen Nachbarland … stets das Risiko der öffentlichen Steinigung. Und wenn diese eine Minderheit wie die türkische ins Visier nehmen, empört sich die selbsternannte Garde der Political Correctness im Lande. Als Thilo Sarrazin auf die Einwanderungs- und Migrationspolitik in der Hauptstadt zu sprechen kommt, fasst er nicht nur ein heisses Thema, sondern auch eine Problematik an, die in anderen urbanen Zentren innerhalb und ausserhalb Deutschlands ebenfalls virulent ist.“ [6]

Bei soviel epidemischer Virulenz ist es angeraten, dem Vorbild der Klimakanzlerin treu zu folgen und sich wahlweise mit nonkonformen Ansichten oder mit quecksilberhaltigen Substanzen impfen zu lassen.

schweinegrippe

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Integration

Warum sind sie hier? Wie viele kommen noch?
Wer hat sie geholt? Wem nutzt es?
“ [1]
Bernd Schmieder


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Integration, Partizipation oder Administration? Nach dem Sarrazin-Interview sind die Diskussionen um die Integrationsfähigkeit fremder Menschen in bislang homogene Kulturgemeinschaften hochgeköchelt. Dabei geht es angesichts der Masse an Zugewanderten überhaupt nicht mehr nur um die Frage einer Integration. In der sich auflösenden traditionellen Gemeinschaft entstehen zwangsläufig miteinander konkurrierende Parallelgesellschaften, die früher oder später um die Macht buhlen werden.

Gibt es eine Verpflichtung zur Integration? Wurde der Befehl ausgegeben, daß sich das „gegen den erklärten Willen der Bevölkerungsmehrheit“ [2] angesiedelte Humankapital integrieren muß bzw. die Deutschen es zu integrieren haben? Steht die Verpflichtung im GG, im BGB oder im StGB? Das gepredigte Ethnomainstreaming hat ebenso wie die zuvor vielgepriesene multikulturelle Gesellschaft keine gesetzliche Grundlage. Die Begriffe „multikulturelle Gesellschaft“ oder „Integration“ dienen hingegen nicht nur als Beruhigungstabletten, sondern auch als Bonbon, die Einwanderung schmackhaft zu machen. Sie verschleiern eine Ideologie, die scheitern wird.

So spricht auch Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, „lieber von Partizipation als von Integration“: „Integration wird von der Mehrheit als vollständige Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft und in Teilen als Assimilation verstanden. Partizipation ist dagegen die Teilhabe an allen möglichen Lebensbereichen. Beide Seiten sind dann aufgefordert, sich zu beteiligen. Auch die deutschstämmige Bevölkerung muss sich auf die Zuwanderer einlassen.“ [3]

Daß vom Türken Kolat die Deutschen auf die fremden Zuwanderer verpflichtet werden, mag nur jenen verwundern, der die Fremden als „Gäste“ verstand, die wie die Muselmanen dereinst vor Wien nur mal freundlich „Hallo“ sagen und die Wiener Kaffeehauskultur einführen, um dann wieder kulturell beglückt und kosmopolitisch weltoffen heim ins Osmanenreich zu reiten.

Der für die SPD im Europaparlament sitzende Politiker Vural Öger stellte dementsprechend in der „Hürriyet“ fest: „Das, was Kanuni Sultan Süleyman 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen verwirklichen.“ [4] Während SPD-Mann Öger aber langfristig denkt: „Im Jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann bei ungefähr 20 Millionen liegen.“, so rechnet Kolat in kürzeren Abschnitten des demographischen Wandels: „In 20, 30 Jahren werden wir in Berlin keine einzige Schule haben, bei der der Anteil der Schüler mit Migrationsgeschichte unter 50 Prozent ist.

Daß die Parallelgesellschaften zukünftig ihre eigenen Hometowns, die früher „Getto“ hießen, benötigen, ist da konsequent. So behauptet etwa Duisburgs Dezernent für Stadtentwicklung, Jürgen Dressler, angesichts heruntergewirtschafteter deutscher Städte und einer alternden Bevölkerung: „Das Einzige, was uns auf Dauer am Leben erhält, sind Migranten.“ Da er und die seinen jedoch nicht über „den Zuzug, den wir brauchen“, verfügen, wäre der Kompromiß zur Anlockung von Türken das Zugeständnis einer Parallelgesellschaft: „Es geht nicht darum, aus jedem Türken qua Pass einen Deutschen zu machen. … Warum lassen wir keine türkischen Stadtteile mit eigener kultureller Identität, Läden und Moschee zu? Diese Schmelztiegel werden sich fortentwickeln. Nicht im Sinne einer Zwangsintegration, sondern als win-win-Situation für die ganze Stadt.“ [5]

Aber nicht nur junge Migranten sollen das Ruhrgebiet retten: „Migration, Weiblichkeit und auch Homosexuelle bringen eine Region voran, wie Metropolen zeigen.“ Fragt sich natürlich, was eher da war: die Weltstadt oder deren Homosexuelle und Migranten, und auch, was den Auf- oder Abschwung einer Metropole markiert. Um Nichtdeutschen die deutschen Städte schmackhaft zuzubereiten, will Dressler auch „Siedlungen aus den 60er und 70er Jahren“ abreißen, weil er sich Sorgen darüber macht, daß er seine „sogenannten Mercedes-Türken an andere Städte verliere. Und man sollte Migranten die Gelegenheit geben, ihre kulturellen Hintergründe auch in der Form ihrer Bauten zu artikulieren.

Was soll das bedeuten? Die Metropolen der Welt gleichen sich schon heute wie ein Ei dem anderen, selbst deren multikultureller Mikrokosmos ist ätzend langweilig: Chinatown in Los Angeles, Chinatown in San Francisco, Chinatown in London, Chinatown in New York und McDonalds in Peking. Und den mobilen Weltbürgern dürfte es egal sein, ob sie eine Gründerzeitvilla, ein Penthouse oder einen Zigeunerpalast behausen. Man nimmt, was man vorfindet, und baut – wenn man länger bleibt – willkürlich, wie es dem individuellen Geschmack genehm ist. Islamische Symbolbauten stehen schon heute zu Tausenden auf deutschem Boden, ein erhöhter Bedarf an eigenständiger Architektur erscheint fraglich. Die Auflösung der autochthonen Gemeinschaft manifestiert sich immer auch in der Auflösung architektonischer Linien.

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